Eine Frau sitzt mit dem Rücken zur Wand und streckt eine Hand abwehrend vor dem Gesicht aus. © NDR Foto: Julius Matuschik

Häusliche Gewalt in Hamburg: Bilanz der Frauenhäuser 2020

Stand: 14.05.2021 07:46 Uhr

Im Schnitt haben drei bis vier Frauen am Tag im vergangenen Jahr bei der zentralen Notaufnahme der Hamburger Frauenhäuser Hilfe gesucht. Das waren insgesamt 1.300 Frauen, die um Rat und Unterstützung baten.

Nicht jede Frau, die Gewalt in der Partnerschaft erfuhr, landete in einem der sechs Hamburger Frauenhäuser. Manche kamen vorübergehend bei Freundinnen und Freunden oder Bekannten unter, andere kehrten zurück ihre Wohnung.

480 Frauen wurden im Frauenhaus untergebracht

Aber 480 Frauen und fast ebenso viele Kinder wurden 2020 in einem Frauenhaus untergebracht. Dort lebten sie durchschnittlich 170 Tage, bevor sie wieder auszogen. Immerhin mehr als ein Drittel der Frauen fand eine eigene Wohnung, aber knapp 12 Prozent zogen zurück in die alte Wohnung, in der auch der Täter noch lebt.

Nach Lockdown-Phasen mehr Anfragen

Laut Sozialbehörde waren die Hamburger Frauenhäuser mit ihren 240 Plätzen, wie schon die Jahre zuvor, gleichbleibend ausgelastet. Allerdings verteilten sich die Aufnahmen von Frauen seit der Corona-Pandemie anders als zuvor: nach den Lockdown-Phasen haben besonders viele Frauen Schutz vor häuslicher Gewalt gesucht.

Zentrale Hilfsangebote in Hamburg:

  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: Tel: (0800) 0116016
  • Notaufnahme 24/7 der Hamburger Frauenhäuser: Tel.: (040) 8000 4 1000

Frauenhäuser fordern mehr Plätze

Im vergangenen Jahr förderte die Sozialbehörde nach eigenen Angaben 241 Frauenhausplätze in Hamburg. Zu wenige, sagt Anika Ziemba von den autonomen Frauenhäusern in Hamburg: "Die Hamburger Frauenhäuser sind immer voll." Die Sozialbehörde schreibt dazu auf Anfrage des NDR, der Senat habe sich zuletzt in seinem Opferschutzbericht ausdrücklich dazu bekannt, den Ausbau der Schutzplätze kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. 2020 gab es bereits eine Aufstockung um 32 Plätze. Anika Ziemba reicht das nicht. "In Hamburg einen Frauenhausplatz zu kriegen ist weiterhin schwierig. Wir sind zu großen Teilen auch überbelegt", so Ziemba.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.05.2021 | 08:00 Uhr

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