Stand: 14.08.2019 14:08 Uhr

Gutachter: "Donnerstagsräuber" ist schuldfähig

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Der 70 Jahre alte Angeklagte (Archivfoto) soll eine beginnende Demenz zeigen, so der Gutachter.

Im Prozess gegen einen 70-jährigen Bankräuber vor dem Hamburger Landgericht hat am Mittwoch ein psychiatrischer Sachverständiger ein Gutachten vorgestellt. Er attestierte dem Angeklagten eine narzisstische Persönlichkeitsstörung. Die Schuldfähigkeit des 70-Jährigen sei aber nicht eingeschränkt.

Risiko weiterer Überfälle

"Der Narzisst liebt sich selbst am meisten, weil er nicht geliebt wird", erklärte der Sachverständige. Es bestehe aus heutiger Sicht das Risiko, dass der Angeklagte weitere Banküberfälle begehen könnte. Sollte das Gericht in seinem Urteil eine Sicherungsverwahrung anordnen, müsste diese Maßnahme später überprüft werden.

In Anwesenheit des 70-Jährigen, der sich auch an diesem Prozesstag vor der Verhandlung vor den Zuschauern offensiv in Anzug und Hemd präsentiert hatte, gab der Sachverständige noch eine Prognose ab: Der Angeklagte zeige bereits Anzeichen einer beginnenden Demenz, sagte der Gutachter. Wenn er in ein paar Jahren aus dem Gefängnis entlassen werde, könne er womöglich gar keine Banken mehr überfallen.

Schuss auf Kassierer zugegeben

Dem 70-Jährigen werden insgesamt drei Überfälle auf Hamburger Sparkassen vorgeworfen. Bei einer der Taten am 12. Januar 2017 schoss er auf einen Mitarbeiter der Filiale an der Holstenstraße und verletzte ihn schwer. Der 45-Jährige schwebte damals zwischenzeitlich in Lebensgefahr. In der Anklage geht es darum nicht nur um schwere räuberische Erpressung, sondern auch um versuchten Mord. Der Senior hat die Überfälle und auch den Schuss zugegeben, eine Tötungsabsicht aber bestritten.

Vor Jahrzehnten saß er bereits wegen Banküberfällen im Gefängnis, die er jeweils an Donnerstagen begangen hatte. 1990 zettelte er zudem eine Häftlingsrevolte im Hamburger Gefängnis "Santa Fu" an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.08.2019 | 14:00 Uhr

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