Gustav Peter Wöhler als jüdischer Arzt im Hamburger Sprechwerk

Stand: 17.05.2021 14:11 Uhr

Der Hamburger Schauspieler Gustav Peter Wöhler probt im Hamburger Sprechwerk. Er spielt Professor Mamlock – einen jüdischen Arzt im Nationalsozialismus. Ein Stück, dass gerade mehr aktuelle Bezüge hat, als der junge Regisseur sowieso schon eingearbeitet hatte.

von Annette Matz


Gustav Peter Wöhler steht zum ersten Mal auf der Bühne in dem kleinen Off Theater im Hamburger Stadtteil Borgfelde. Er kannte zwar den Namen des Hauses, war aber noch nie dort zu Gast. "Alles hervorragend" , sagt er jetzt. "Ich bin nicht nur positiv überrascht, sondern sehr glücklich, dass ich dabei sein kann.“  Seine Heimat sind normalerweise größere Häuser. Oder Fernsehsets. 

Professor Mamlock - jüdischer Arzt in der NS-Zeit

Gustav Peter Wöhler spielt Professor Mamlock. Der Professor ist Jude und Arzt aus vollster Überzeugung. Er ist weltberühmt und bemüht, politische Auseinandersetzungen von seiner Arbeit und aus seiner Familie fernzuhalten. Als Jude darf er 1933 von einem Tag auf den anderen seine Klinik nicht mehr betreten und ist fassungslos – genau wie seine Tochter Ruth, die mit einem Judenstern beschmiert nach Hause kommt. Das Stück sei beeindruckend, sagt Gustav Peter Wöhler. Es sei sehr aktuell, denn man könne nicht sagen: "Gut, das war damals." Das Stück sei eine Warnung und Beschäftigung mit dem heutigen Antisemitismus: "Der wird sich auch so schnell  nicht mehr wegschupsen lassen", so Wöhler weiter.

Professor Mamlock vor allem DDR-Schullektüre

Im Westen ist das Drama um Professor Mamlock wenig bekannt. An den Schulen der DDR war die gut 60-seitige Geschichte  Pflichtlektüre. Kurz nach der Machtübernahme der Nazis wurde sie im französischen Exil von dem Arzt und Schriftsteller Friedrich Wolf geschrieben.

Junger Regisseur mit klaren Vorgaben

Professor Mamlock am Hamburger Sprechwerk © G2 Baraniak Foto: G2 Baraniak
Das Ensemble für das Stück Professor Mamlock am Hamburger Sprechwerk. Streaming-Premiere ist am 21. Mai.

Regie im Sprechwerk führt der junge Aron Matthiasson. Wenn das Stück in wenigen Tagen Premiere hat, steht er kurz vor dem Abschluss an der Regie-Akademie in Zürich. Mit dem Sprechwerk hat er schon häufiger zusammengearbeitet. Aron Matthiasson hat sich dem Stück auf besondere Weise mit den Schauspielern und Schauspielerinnen genährt – sie sollten Bücher lesen, die sich mit dem Thema "Hass" auseinandersetzen. Schauspielerin Maria Hartmann, die die Ehefrau von Professor Mamlock spielt, habe dann einen Vortrag über eines der Bücher gehalten: "Das ist einfach toll, wenn eine Frau von Anfang 60 nicht auf die Bühne kommt und sagt, sie hat das Leben verstanden, sondern sich begleiten und auch verformen lässt, von dem Stoff, den sie gelesen hat", so Matthiasson.

Seit Wochen "dauerberührt"

Das Stück und die Arbeit mit den erfahrenen Schauspielern und Schauspielerinnen berühre ihn sehr: „ Es unserer Geschichte", sagt Aron Matthiasson und die heutigen Ereignisse machen das Stück für ihn besoders brisant. Mit aktuellen Bezügen wie den Erinnerungen an den Anschlag von Halle holt Aron Matthiesson es immer wieder in die Jetztzeit. Außerdem sind Kameras auf der Bühne, mit denen sich die Schauspieler und Schauspielerinnen selbst filmen.

Sich selbst filmen auf der Bühne

Wir kennen alle diesen Satz:  "Ich habe von nichts gewusst." Das sei heute völlig  unmöglich, so Aron Matthiasson, "weil  wir alle dokumentiert werden, und zwar ständig." Und: "Der Attentäter von Halle hat sich bei seinem Attentat auf die Synagoge selbst gefilmt." So ist das Stilmittel "sich selbst filmen" ein eindringliches Dokumentieren, damit die Ereignisse nicht vergessen werden. Professor Mamlock im Hamburger Sprechwerk verspricht eine mutige, kluge  Inszenierung zu werden. Schon die Proben zeigen eine Tiefe, die sich hoffentlich durch in der Livestream-Premiere nicht durch die technisch notwendige Distanz auflöst, sondern bleibt.

Premiere des Livestreams ist Freitag, 21. Mai 2021 um 20 Uhr. Die Karten kosten 10 Euro. Analoge Premiere ist im Frühjahr 2022.

Weitere Informationen
Kinosaal © Picture-Alliance Foto: Selva/Leemage

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 17.05.2021 | 19:11 Uhr

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