Das mit Wasserstoff betriebene Blockheizkraftwerk in Bergedorf.  Foto: Dietrich Lehmann

Grüner Wasserstoff statt Erdgas: Test in Bergedorf

Stand: 14.06.2021 14:36 Uhr

Ein möglicher Schritt gegen den weiteren Ausstoß von klimaschädlichem CO2: In Hamburg-Bergedorf testet das stadteigene Unternehmen Gasnetz Hamburg erstmals, wie stark fossiles Erdgas durch Wasserstoff ersetzt werden kann.

Ziemlich unspektakulär startet der Testlauf, der einmal Vorbild für weite Teile der Stadt sein soll: In einem Neubauquartier am Rand von Bergedorf sind Gasflaschen aufgestapelt mit der Aufschrift: Wasserstoff. Statt reinem Erdgas verbrennt das Blockheizkraftwerk in der Siedlung "Am Schilfpark" ein Drittel grünen Wasserstoff. Er wurde gewonnen mit Hilfe von Windkraft - und damit quasi CO2-frei.

Wärme und Strom für 270 Wohnungen

Gasnetz Hamburg und die Hochschule für Angewandte Wissenschaften wollen so Erfahrungen sammeln, ob Leitungen, Brenner und Motoren dem neuen Mix standhalten. Mehr als 270 Wohnungen werden so vergleichsweise umweltfreundlich mit Wärme und Strom versorgt.

Mehr als 1.000 Blockheizkraftwerke in Hamburg

Möglich ist das bislang aber nur, weil die EU und Hamburg Geld zuschießen. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sieht allerdings mittelfristig ein großes Potenzial. Allein in Hamburg gibt es mehr als 1.000 Blockheizkraftwerke - die meisten werden bislang mit fossilem Erdgas betrieben.

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter, sogenannter "grüner" Wasserstoff, ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.06.2021 | 16:00 Uhr

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