Großer Zuspruch für neue Bornplatz-Synagoge in Hamburg

Stand: 27.01.2021 17:00 Uhr

Mehr als 100.000 Menschen stimmten für den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge im Hamburger Grindelviertel. Seit dem 9. November wurden Unterschriften aus Hamburg und der ganzen Welt gesammelt.

Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel. © NDR Foto: Tina Zemmrich
Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel zeigt heute in seinem Pflaster die Umrisse der 1939 zerstörten Synagoge.

"Nein zu Antisemitismus, Ja zur Bornplatzsynagoge", unter diesem Motto setzt sich eine überparteiliche Initiative für den Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Bornplatz-Synagoge ein. Daniel Sheffer, Initiator der Plakat-Kampagne, sprach am Mittwoch zu ihrem Abschluss von der größten Aktion gegen Antisemitismus der letzten Jahre.

Weltweite Aufmerksamkeit

Mehr als 100.000 Stimmen für den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge kamen insgesamt zusammen, per Klick auf eins der zahlreichen Plakate, per Brief oder per E-Mail. Sogar die Band "Die Toten Hosen", Außenminister Heiko Maas oder Vizekanzler Olaf Scholz haben sich beteiligt. Etwa hundert Berichte in internationalen Medien, in Großbritannien, den USA und Israel, haben die Aktion begleitet, 14 Millionen Menschen wurden erreicht.

Machbarkeitsstudie ab Sommer

Vor allem die Menschen aus Hamburg und dem Umland hätten sich leidenschaftlich für die Sichtbarkeit jüdischen Lebens in der Stadt eingesetzt. Daniel Sheffer und sein Team empfinden die positive Resonanz als großen Erfolg. Und als Auftrag zum Wiederaufbau, für den die Bürgerschaft bereits einstimmig gestimmt und der Bund 65 Millionen Euro zugesagt hat. Jetzt hat Sheffer den Abschlussbericht an die Stadt Hamburg und an die jüdische Gemeinde übergeben. Eine Machbarkeitsstudie soll ab dem Sommer prüfen, wie der Neubau aussehen wird, sagt Daniel Sheffer bei einer Pressekonferenz im Hamburg-Haus in Eimsbüttel.

Einst größte norddeutsche Synagoge

Das jüdische Gotteshaus war 1906 fertiggestellt worden und galt mit Platz für mehr als 1.000 Besucherinnen und Besuchern als die größte Synagoge Norddeutschlands. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde sie von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. 1939 ließ die Stadt sie abreißen. Heute erinnert nur der Grundriss des Gebäudes auf dem leeren Platz an die ehemalige Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz nach dem Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942).

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Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel. © NDR Foto: Tina Zemmrich

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.01.2021 | 17:00 Uhr

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