Stand: 26.11.2017 21:38 Uhr

Große Koalition laut Gabriel kein Selbstläufer

Der geschäftsführende Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hält eine Neuauflage der großen Koalition im Bund nicht für einen Selbstläufer. Das sagte er am Sonntag bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung "Die Zeit" in Hamburg. Nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen dürfe keiner erwarten, dass die SPD sage, sie hätte nur darauf gewartet, eine Große Koalition bilden zu können. Die, die eigentlich hätten regieren sollen, hätten es nicht hingekriegt, so Gabriel.

Es gebe aber die wichtige Aufgabe, dafür zu sorgen, "dass es eine stabile Lage in Deutschland gibt", sagte Gabriel. Er könne jedoch nicht sagen, ob es für die Lösung dieser Aufgabe eine Große Koalition geben werde oder nicht. "Das weiß kein Mensch." Zu möglichen Forderungen der Sozialdemokraten für eine Große Koalition wollte sich Gabriel nicht äußern. "Da müssen Sie andere fragen", wich er aus.

Neuwahlen "keine gute Idee"

Neuwahlen hält der frühere SPD-Vorsitzende nicht für die beste Lösung: Es sei "keine richtig gute Idee", dem deutschen Volk zu sagen, es solle so lange wählen, bis das Ergebnis so ist, dass es passt.

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Kommt eine Große Koaliton im Bund? "Das weiß kein Mensch", sagte Gabriel am Sonntag.

Es dürfe kein Dauerzustand sein, "dass in der Mitte Europas eine instabile Lage ist". Gabriel deutete an, dass die Rolle Deutschlands derzeit nicht so stark ist wie zuvor. So habe man noch vor einem halben Jahr etwa im Europäischen Rat vermutlich einen Stecknadelkopf fallen hören, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gesprochen habe. "Ich höre, dass das jetzt der Fall ist, wenn der französische Präsident redet."

Merkel und Macron sollen Europa zusammenhalten

Gabriel sagte, am Ende müssten sich Merkel und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron verständigen, wie sie Europa zusammenhalten und weiterentwickeln wollten. Und dafür brauche Deutschland "eine handlungsfähige, übrigens mit ausreichend Mut und Mehrheit ausgestattete Regierung", sagte Gabriel.

Gabriel hatte Anfang des Jahres zugunsten von Martin Schulz auf den Parteivorsitz und die Kanzlerkandidatur verzichtet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat nach dem Jamaika-Aus Merkel, Schulz und CSU-Chef Horst Seehofer für Donnerstag zu einem Gespräch eingeladen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.11.2017 | 15:00 Uhr

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