Die Angeklagten im Prozess um die Insolvenz bei Rainbow Tours sitzen zwischen ihren Anwälten in einem Saal des Zivilgerichts Hamburg. © dpa Foto: Markus Scholz

Geständnis im Prozess um Insolvenz bei Rainbow Tours

Stand: 13.11.2020 17:41 Uhr

Im Prozess um die Insolvenz des früheren Hamburger Reiseanbieters Rainbow Tours hat der ehemalige Geschäftsführer ein Geständnis abgelegt. Dafür sicherte die Wirtschaftsstrafkammer ihm eine mildere Strafe zu.

Zwei Mal hatte die Wirtschaftstrafkammer schon versucht, den Prozess zu starten. Beide Male scheiterte sie daran, dass zwei der vier Angeklagten nicht vor Gericht erschienen. Der eine, ein früherer Rechtsberater, war abgetaucht. Zielfahnder der Polizei konnten ihn aufspüren, er sitzt nun in Untersuchungshaft und wurde am Freitagmittag von dort ins Gericht gebracht. Ein zweiter Angeklagter, der spätere Käufer von Rainbow Tours, war mit fadenscheinigen Ausreden nicht zum Prozess erschienen. Er hatte vorgegeben krank zu sein und wurde vor knapp zwei Wochen in einer Klinik verhaftet. Auch er befindet sich nun in Haft.

Hauptangeklagter legt Geständnis ab

So konnte der Staatsanwalt am Freitag endlich die Anklage gegen die vier Männer verlesen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Hauptangeklagten vorsätzliche Insolvenzverschleppung, Bankrott und Betrug vor. Der 58-Jährige soll die Firma und ein Busunternehmen 2011 verkauft haben, obwohl beide bereits zahlungsunfähig waren. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Dafür sicherte ihm die Kammer eine Haftstrafe von maximal einem Jahr und zehn Monaten in Aussicht gestellt, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Der Angeklagte werde außerdem für Kunden, die nicht mehr durchführbare Reisen bei dem insolventen Unternehmen buchten, 15.000 Euro als Wiedergutmachung zahlen, hieß es.

Weiterer Angeklagter will ebenfalls gestehen

Ein 64 Jahre alter Insolvenzverwalter ist in dem Verfahren wegen Beihilfe angeklagt. Er bestritt die Vorwürfe. Ein weiterer Angeklagter aus Brandenburg soll die zahlungsunfähigen Firmen gekauft und ihren Sitz nach Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern verlegt haben. Die Anklage gegen den 61-Jährigen lautet ebenfalls auf vorsätzliche Insolvenzverschleppung und Bankrott. Ein vierter Angeklagter, ein 65-Jähriger, soll als Rechtsberater tätig gewesen sein. Er will nach Angaben des Sprechers eventuell ebenfalls ein Geständnis ablegen, wenn ihm das Gericht eine milde Strafe zusichert.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.11.2020 | 17:00 Uhr

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