Stand: 29.07.2020 20:53 Uhr  - NDR 90,3

Georg-Bonne-Straße soll neuen Namen bekommen

In Hamburg gibt es noch immer viele Straßen, deren Namensgeber belastet sind aus der NS-Zeit. Das hat eine Untersuchung des Staatsarchivs Ende letzten Jahres ergeben. Zu ihnen gehört auch die Georg-Bonne-Straße in Nienstedten. Sie soll jetzt einen neuen Namen bekommen.

VIDEO: Georg Bonne - schwarzer Fleck im Stadtbild (2 Min)

Zahlreiche Vorschläge

Auf Grundlage der Studie des Staatsarchivs hat die Bezirksversammlung Altona beschlossen, dass die Georg-Bonne-Straße einen neuen Namen bekommen soll. Bürgerinnen und Bürger wurden mit ins Boot geholt und sollen Vorschläge einschicken. "Wir haben schon knapp 90 Einsendungen, was eine große Zahl ist", sagt Fabian Piotrowski vom Kulturausschuss Altona. "Es sind viele Frauen dabei, viele Menschen jüdischen Glaubens, viele Opfer und Verfolgte des Nationalsozialismus. Es sind viele tolle Vorschläge dabei."

Bonne war glühender Hitler-Sympathisant

Im Zuge der Untersuchung des Staatsarchivs zur NS-Belastung von Straßennamen wurde bekannt wer Georg Bonne war. Er war Arzt, er war der Begründer des Bauvereins der Elbgemeinden, aber er war eben auch ein glühender Hitler-Sympathisant.

Luftaufnahme von Altona und die Georg-Bonne-Straße, die auf die Elbe zuläuft, ist weiß eingezeichnet.
Die Georg-Bonne-Straße war ursprünglich länger - zwei Abschnitte wurden bereits umbenannt.

"Er war ein Vielschreiber und er hat auch Rassenhygiene zu seinem Thema gemacht", sagt Hans-Peter Strenge, von 1984 bis 1995 Bezirksamtsleiter von Altona. "Und er hat bereits Anfang der 30er Jahre die Nationalsozialisten, Hitler persönlich zum Teil, mit Schreiben behelligt, sodass es selbst den Nazis irgendwann zu viel wurde. "Ob Bonne Mitglied der NSAPD war, ist allerdings bis heute umstritten.

Abschnitt heißt bereits Christian-F.-Hansen-Straße

Als vor ein paar Jahren der Internationale Seegerichtshof in die Straße kommen sollte, wurde schon mal über eine Umbennnung diskutiert. Doch damals wurden letztlich nur zwei Abschnitte der langen Straße umbenannt. Sie heißen nun Am Seegerichtshof und Christian-F.-Hansen-Straße - benannt nach einem dänischen Architekten.

Hans-Peter Strenge, von 1984 bis 1995 Bezirksamtsleiter von Altona.
Hans-Peter Strenge leitete von 1984 bis 1995 das Bezirksamt von Altona.

Ein Kompromiss, weil Bonne seiner Zeit auch durch Verdienste bekannt wurde. Das sieht man heute anders. "Er war unheimlich antisemitisch. Das haben wir damals, also diese Teilumbenennung kam, gar nicht gewusst und das ist jetzt durch das Staatsarchiv rausgesucht worden", sagt Strenge, der Bezirksamtsleiter war als ein Teil der Straße umbenannt wurde. "Darum muss man heute sagen, dass Georg Bonne, vielleicht anders als in den 90er-Jahren, selbst in einem Teilabschnitt hier in Nienstedten nicht mehr tragbar ist."

Bonnepark soll auch umbenannt werden

Jetzt soll die Diskussion über Bonne ein Ende haben. Übrigens nicht nur in Nienstedten: Denn auch der Bonnepark in Bahrenfeld soll umbenannt werden. Genug Vorschläge gibt es bereits und bis Freitag können auch noch weitere eingereicht werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.07.2020 | 19:30 Uhr

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