Stand: 21.01.2019 18:59 Uhr

G20-Prozess: Bewährungsstrafe statt lange Haft

Nach den gewaltsamen Protesten beim G20-Gipfel in Hamburg vor eineinhalb Jahren hatte ein Gerichtsurteil bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Das Hamburger Amtsgericht hatte einen jungen Niederländer für zwei Flaschenwürfe auf Polizisten zu zwei Jahren und sieben Monaten Gefängnis verurteilt. Am Montag milderte das Landgericht die Strafe zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung ab. Der heute 23-Jährige wurde erneut wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Widerstands für schuldig befunden.

Strafe deutlich reduziert

Der erste Prozess vor dem Amtsgericht hatte nur wenige Stunden gedauert. Die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht fast ein Jahr. Im Ergebnis hat die Kammer das Urteil für den Niederländer deutlich reduziert. Der Angeklagte war aus Amsterdam zu den Protesten nach Hamburg gereist. Am Abend nach der "Welcome to Hell"-Demonstration am 6. Juli 2017 war er auf einer spontanen Versammlung im Schanzenviertel. Aus der Gruppe heraus wurden Flaschen auf Polizisten geworfen. Auch der Niederländer soll zwei Flaschen geworfen haben.

Erstes Urteil sollte abschrecken

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Das harte Urteil gegen den Niederländer hatte für Diskussionen gesorgt. (Archivfoto)

Er war nach den G20-Krawallen der erste, der vor Gericht stand. Die lange Gefängnisstrafe, zu der er verurteilt worden war, hatte heftige Debatten ausgelöst. Der Amtsrichter hatte sein Urteil weitgehend damit begründet, dass Krawall-Touristen abgeschreckt werden sollten. Nun sagte die Vorsitzende Richterin, solche Abschreckungsgedanken dürften durchaus eine Rolle spielen. Die Kammer berücksichtigte, dass der Angeklagte etwa ein Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatte. Inzwischen lebt er wieder bei seinen Eltern in Amsterdam und studiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.01.2019 | 19:00 Uhr

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