Stand: 14.06.2018 23:12 Uhr

G20: Polizei verteidigt Schanzenviertel-Einsatz

Mehr als fünf Stunden lang haben Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) und die Polizeiführung im G20-Sonderausschuss der Bürgerschaft am Donnerstag das Vorgehen der Einsatzkräfte während der Ausschreitungen im Schanzenviertel verteidigt. Sie reagierten damit auch auf die wütenden Kritik von Anwohnern im G20-Sonderausschuss vor zwei Wochen. Die Polizei habe bei den schweren Krawallen am 7. Juli 2017 nicht eingreifen können, weil die Polizisten sofort angegriffen worden seien.

"Ein Ritt auf der Rasierklinge"

Das Schanzenviertel sei der Mittelpunkt der Krawalle am Freitagabend des Gipfelwochenendes gewesen, in dem es sofort zu Angriffen auf Polizisten gekommen sei, wann immer sich diese gesammelt hätten, sagte der damalige Einsatzleiter Hartmut Dudde in der Sitzung. "Es war ein Ritt auf der Rasierklinge zu entscheiden, was geht und was nicht geht." Einige Anläufe, in die Straße Schulterblatt vorzudringen, seien im Verlauf des Abends gescheitert. Bei jedem Versuch seien zahlreiche Polizeibeamte verletzt worden, so Dudde. Die Polizei nannte die Zahl von 94 verletzten Beamten.

Offenbar keine Beteiligung an Ausschreitungen aus Roter Flora heraus

Laut dem Leiter der Soko "Schwarzer Block", Jan Hieber, waren die Aktivisten der Roten Flora den angereisten Gewalttätern nicht gewachsen. "Wir haben gesehen, dass es ein Szenario gegeben hat, das auch denjenigen Personen, die es steuern wollten, ein Stück weit aus der Hand geglitten ist." Unter den Tätern seien an jedem Abend viele ausländische Demonstranten, insgesamt aber nur wenige politische Täter gewesen. Es gebe keine Erkenntnisse, dass es aus der Roten Flora heraus aktiv eine Beteiligung an den Ausschreitungen gab, erklärte ein Vertreter des Verfassungsschutzes.

Künftig mehr und speziell ausgebildete Kräfte bei Protesten

In Zukunft soll auf eine stärkere Polizeipräsenz bei Protesten gesetzt werden, kündigte Grote an. Dazu gehöre auch der Einsatz von Spezialkräften oder besser ausgerüsteter Bereitschaftspolizei.

"Eine Sitzung, die Eindrücke hinterlassen hat"

Zu der Sitzung des Ausschusses vor zwei Wochen in der Kulturkirche Altona, bei denen Anwohner des Schanzenviertels und St. Paulis von zahlreichen Vorfällen berichtet hatten, in denen die Polizei ihnen während der Ausschreitungen nicht geholfen habe, sagte Grote am Donnerstag: "Es war eine Sitzung, die Eindrücke hinterlassen hat."

Lediglich zwei der Anwohnerschilderungen seien bisher nicht bekannt gewesen, sagte der Innensenator. Auf die Rücktrittsforderungen in der damaligen Sitzung ging er nicht ein. Auch Kritik, die Polizei sei mit dem Schutz der Gipfelteilnehmer beschäftigt gewesen und habe die Einwohner Hamburgs im Stich gelassen, wies er zurück: "Das ist mitnichten so."

Grote räumte aber ein, dass die Kommunikation schlecht war und dass die Menschen sich allein gelassen fühlten. Linke und Grüne zeigten sich nach der Sitzung am Donnerstag mit den Erklärungen dennoch unzufrieden.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.06.2018 | 19:30 Uhr

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