Sendedatum: 07.07.2017 17:08 Uhr

Kommentar: "No Tolerance" gegen Gewalt

von Sabine Rossbach
Bild vergrößern
Sabine Rossbach, Direktorin des NDR Landesfunkhauses Hamburg, kommentiert die Krawalle und Demos zum G20-Gipfel-Start.

Der Eindruck ist für viele Hamburgerinnen und Hamburger frisch. Hubschrauber über unseren Köpfen, Absperrungen allerorten und Stadtteile, die wie in sonntäglichem Tiefschlaf anmuten, während andere Teile der Stadt unter Gewalt und Brandanschlägen leiden. Die "No Tolerance"-Strategie der Polizei in Hamburg sollte dieses Mal von Anfang an gewalttätigen Protest ausstoppen und verhindern. Einsatzleiter Hartmut Dudde hatte den Hamburgern und Hamburgerinnen Sicherheit versprochen und eine harte Hand gegen Gewalttäter. Möglichst gelassen präsentierte er sich als starker Mann, der selbst den "schwarzen Blöcken" zu trotzen weiß. Zunächst schien die Taktik aufzugehen. Weiträumige Sperrungen, Camps wurden aufgelöst, "keinen Millimeter weichen" hieß die Devise.

"No Tolerance" gegenüber Gewalt

Anmelder und Behörden scharmützelten vor Gerichten, die Demonstrationen bis zum Tag der Anreise verliefen friedlich. Die Hamburgerinnen und Hamburger nahmen die vielen Sperrungen für die Politiker-Transfers weitgehend gelassen in Kauf. Vorhersehbar aber war, dass es  bei "Lieber Tanz ich statt G 20" und rührenden Yogavorführungen nicht bleiben wird. Mit dem "Schwarzen Block" und Autonomen jeder Couleur hat Hamburg Erfahrung. Doch diesmal sollte es anders sein als bei den Maifeiern in der Schanze oder ähnlichen Eskalationen.

Massiver Polizeieinsatz als Taktik

Aber ist das Konzept aufgegangen, eine Demonstration mit massivem Polizei-Einsatz aufzustoppen und relativ früh mit Wasserwerfern und Tränengas auf Vermummung und Angriffe aus dem Lager der Demonstranten zu reagieren? Diese Taktik sorgte für Unverständnis bei den Demonstranten (natürlich), aber auch Passanten und denen, die hinter dem "Schwarzen Block" friedlich demonstrieren wollten und nach der Aufstoppung keine Chance hatten, sich vom Ort des Geschehens zu entfernen.

Im Ergebnis gab es wieder Verletzte auf beiden Seiten, wieder brannten Autos, wieder wurden Geschäfte demoliert, wieder wurden Polizisten angegriffen, wieder Autonome festgesetzt. Ist also die Taktik nicht aufgegangen? Sicher nicht, und das ist besonders bitter, weil der Einsatzleiter sich sehr weit - ja, und auch ein wenig selbstgefällig - aus dem Fenster gelehnt hat.

Nicht jeder Demonstrant hat friedliche Absichten

Das kann man ihm sicher vorwerfen. Auch dass manche Polizeiaktion heftiger ausgefallen ist als nötig und dadurch nicht nur Demonstranten, sondern auch manch ein Polizist in unnötig brenzlige Situationen geraten ist. Ob allerdings eine andere Taktik zielführender gewesen wäre, scheint fraglich. Immerhin war das Ziel des "Schwarzen Blocks" von vorneherein kein friedlicher Protest, ob aufgestoppt oder nicht. Hätte in Hamburg kein Auto gebrannt, wenn die Polizei 1.000 Vermummte hätte ziehen lassen? Ich glaube nicht.

Alle zurückliegenden Ereignisse zeigen, dass hier Gewalt und Zerstörung Teil des Protestes sind, von dem sich friedliche Demonstranten nur fernhalten und distanzieren können, auch für die Botschaft, die sie in die Welt senden wollen.

Weitere Informationen

G20: Gegenseitige Vorwürfe nach Gewalteskalation

Nach der Eskalation der "Welcome to Hell"-Demo am Vorabend des G20-Gipfels gibt es gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Polizei rechtfertigte den Einsatz, die Organisatoren machten Vorwürfe. mehr

Liveblog zum G20-Gipfel zum Nachlesen

G20-Treffen in Hamburg: Wann passierte was und wo? In unserem Liveblog können Sie sich auch im Nachhinein informieren. Lesen Sie alles über den Gipfel und die wichtigsten Ereignisse. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 07.07.2017 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:15

Acht katholische Schulen müssen schließen

19.01.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:09

Hamburg plant neue Flüchtlingsünterkünfte

19.01.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:10

Hafencity: Mehr Wohnraum für Familien

19.01.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal