Die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer (links) und Annika Rittmann, Sprecherin FFF Hamburg, nehmen an der Demonstration des Bündnisses Fridays for Future teil. © picture alliance/dpa Foto: Marcus Brandt

"Fridays for Future" fordern Konsequenzen aus Hochwassern

Stand: 23.07.2021 16:51 Uhr

Nachdem es in den letzten Wochen durch die Sommerferien ruhiger bei den "Fridays for Future"-Demonstrationen in Hamburg wurde, nahmen am Freitag wieder rund 500 Menschen teil. Die Demonstration stand dabei im Zeichen der Hochwasserkatastrophe.

Mehrere Hundert Menschen sind am Freitag in Hamburg gemeinsam mit der Klimabewegung "Fridays for Future" für eine bessere Klimapolitik und aus Solidarität mit den Opfern der Hochwasserkatastrophe auf die Straße gegangen. Dem Demo-Aufruf waren rund 500 Anhängerinnen und Anhänger gefolgt, wie ein Polzeisprecher sagte.

Nach Hochwasser: "Klimaschutz = Katastrophenschutz"

Die zumeist jungen Leute hielten Schilder und Banner hoch, auf denen unter anderem "Klimaschutz = Katastrophenschutz" und "#Klimakrise ist hier" stand. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren am Nachmittag vom Heiligengeistfeld über die Reeperbahn bis zum Fischmarkt gezogen. Während der Solidaritätskundgebung war auch der mehr als 170 Opfer der Fluten gedacht und Geld gesammelt worden.

Luisa Neubauer: "Klimakrise ist hier"

Die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Annika Rittmann nehmen an der Demonstration des Bündnisses Fridays for Future teil. © picture alliance/dpa Foto: Luise Evers
Die Klimaaktivistinnen Luisa Neubauer und Annika Rittmann nehmen an der Demonstration des Bündnisses Fridays for Future teil.

Kurz vor der Demo hatte die Hamburger Klima-Aktivistin Luisa Neubauer der deutschen Politik mit Blick auf die Hochwasserkatastrophe eine anhaltende Ignoranz in der Klimapolitik vorgeworfen. "Die Klimakrise ist hier, es ist unübersehbar", sagte sie. Die Politikerinnen und Politiker würden in dem Zusammenhang derzeit zwar Ankündigungen machen, was alles besser gemacht werden sollte: "Wir sehen aber eben auch, dass diese Ankündigungen oftmals genau dann in Luft aufgelöst werden, wenn es darum ginge, sie in Taten umzusetzen", sagte Neubauer der Deutschen Presse-Agentur.

Unterstützung von Wissenschaftlern

Zudem hatte die Bewegung Unterstützung aus der Wissenschaft. Für den Klimaforscher Carl-Friedrich Schleussner ist klar: "Es sich nicht mehr die Frage stellt, ob der Klimawandel zum Auftreten von Extremwetterereignissen beiträgt, sondern nur noch in welcher Art und wieviel." Schleussner forscht an der Berliner Humboldtuniversität und gehört zu den "Scientists for Future" - einer immer größer werdenden Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich für Maßnahmen gegen die Klimakatastrophe engagieren.

Bis 2040 Versorgung voll aus erneuerbaren Energien

Mit dabei auch Claudia Kemfert, Professorin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Sie sagt, bis 2040 könne Deutschland voll aus erneuerbaren Energien versorgt werden. Das werde für uns nicht teurer, sondern billiger, erklärte die Ökonomin: "Jeder Euro, den wir jetzt investieren, spart 15 Euro Klimaschäden. Klimaschutz zahlt sich aus."

Neubauer: "Es ist vor allem eine Frage des politischen Willens"

Gerade jetzt müsse die deutsche Klimapolitik ganz neu hinterfragt werden, sagte Luisa Neubauer abschließend. "1,5-Grad-Politik sieht anders aus. Sie ist möglich und dafür kämpfen wir." Dazu müsse sich die Politik gegen neue fossile Projekte und neue Gaspipelines entscheiden, einen schnellen Kohleausstieg und einen gerechten, die Kosten abbildenden CO2-Preis. "Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Es ist keine technologische Frage mehr. Es ist vor allem eine Frage des politischen Willens." Das sei nicht an Parteifarben gebunden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.07.2021 | 15:00 Uhr

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