Tausende Demonstranten haben sich in Hamburg zum Klimastreik von "Fridadys For Future" versammelt. © dpa Foto: Markus Scholz

"Fridays for Future": Zehntausende demonstrieren im Norden

Stand: 24.09.2021 21:32 Uhr

Zwei Tage vor der Bundestagswahl sind Aktivisten und Aktivistinnen von "Fridays for Future" (FFF) bundesweit bei rund 400 Demonstrationen auf die Straße gegangen - auch in Norddeutschland beteiligten sich Zehntausende Menschen.

Die Veranstalter sprachen allein in Hamburg am Freitag von 80.000 Demonstranten, die Polizei allerdings lediglich von 26.000. Es gab erhebliche Verkehrsbehinderungen aufgrund zahlreicher Straßensperrungen. Carl-Friedrich Schleußner, Leiter der Arbeitsgruppe zur Klimaforschung an der Berliner Humboldt-Universität, sagte in der Hansestadt mit Blick auf Dürren, Überschwemmungen und Waldbrände: Wie sich der Klimawandel auswirke, könne man im Prinzip jede Woche in den Nachrichten sehen. "Wir sind wütend", rief FFF-Sprecherin Maia Stimming den Teilnehmern der Auftakt-Kundgebung in Hamburg zu. "Wütend auf das Nichthandeln, das nun schon so lange anhält." Keine Partei habe ein schlüssiges Konzept, um die Erderwärmung zu begrenzen. Deshalb müsse "die klimazerstörerische Politik abgewählt werden", forderte die 15-jährige Schülerin. Unterstützt wurden die Klimaschützer von Musikern wie Jan Delay, Zoe Wees, AnnenMayKantereit und Enno Bunger, die einige Songs spielten.

60 Klimaschutz-Aktionen in Niedersachsen

Zahlreiche Menschen nehmen in Hannover an einem Klimastreik teil. © NDR
In Hannover kamen mehr als 5.000 Demonstrierende zusammen.

In Niedersachsen zogen der Polizei zufolge in Vechta bereits um 9 Uhr etwa 100 Jugendliche mit umweltpolitischen Forderungen durch die Straßen. Auch in Burgdorf, Bad Zwischenahn, Rastede, Westerstede, Zetel, Verden, Bremen und auf Norderney trafen sich bereits am Morgen Demonstrantinnen und Demonstranten. Die größte Veranstaltung in Niedersachsen fand auf dem Opernplatz in Hannover statt - die Polizei schätzte die Teilnehmendenzahl auf knapp 8.000 - die Veranstalter sprachen von 17.000. In Göttingen waren es nach Polizeiangaben rund 6.000 Menschen, in Lüneburg mehr als 2.500, wie Fridays for Future mitteilte.

Schleswig-Holstein: Bundesstraßen-Blockade in Kiel

Plakate auf einem Klimastreik in Pinneberg. © NDR
Plakate beim "Klimastreik" in Pinneberg: "Wir haben keine Zeit mehr", sagten Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

In Schleswig-Holstein gab es Aktionen in mehr als 20 Orten. In Kiel versammelten sich am Mittag rund 4.000 Demonstranten. Im Regen hielten sie Fahnen und Plakate hoch, auf denen zum Beispiel stand: "Alle fürs Klima". Etwa 30 Aktivistinnen und Aktivisten blockierten mit einem Holzgestell die Bundesstraße 404 in der Landeshauptstadt. Sie forderten eine konsequente Verkehrswende. Die Polizei löste zunächst eine Sitzblockade auf der Fahrbahn stadtauswärts auf, später dann die Blockade samt Holzgestell in der Gegenrichtung. Zwölf Personen seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher. Hintergrund der Blockade war der geplante Ausbau der B404 zur Autobahn 21. In Flensburg versammelten sich etwa 400 Menschen. In Husum waren schon am Vormittag laut Polizei etwa 300 Teilnehmer unterwegs.

"Fridays for Future"-Demos auch in Mecklenburg-Vorpommern

Das fordert Fridays for Future

Die "Fridays for Future"-Bewegung Deutschland hat im April 2019 ihre Forderungen veröffentlicht. Sie fordert den Kohleausstieg bis 2030 und eine komplett nachhaltige Energieversorgung sowie die sogenannte Nettonull bis 2035. Bis Ende des Jahres 2019 solle ein Viertel der Kohlekraft abgeschaltet, Subventionen für fossile Energie beendet und die CO2-Steuer eingeführt werden. Ziel aller Maßnahmen ist die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad und die Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaabkommens.

In Mecklenburg-Vorpommern standen unter anderem Mahnwachen am Güstrower Rathaus und in Ludwigslust auf dem Programm. Den größten Zulauf hatte die Demonstration in Rostock, wo nach Angaben der Polizei "gut 1.000" Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen kamen, um für konsequenteren Klimaschutz zu demonstrieren. In Schwerin beteiligten sich rund 400 Menschen am Klima-Protest - unter ihnen viele Erwachsene und die Landesbischöfin der Nordkirche, Kristina Kühnbaum-Schmidt. "Ich wünsche mir, dass jede Regierung - egal, welche jetzt nach den Wahlen gewählt werden wird - sich konsequent diesem Ziel verschreibt, die Ziele des Pariser Abkommens umzusetzen." In Neustrelitz versammelten sich rund 200 Klimaschützer. Auch in Stralsund, Greifswald und Bergen auf Rügen gab es Kundgebungen. Unterdessen hat sich der aus Greifswald stammende Klima-Aktivist Henning Jeschke entschlossen, seinen Hungerstreik in der Nähe des Reichstages in Berlin fortzusetzen.

VIDEO: Junger Greifswalder setzt Hungerstreik fürs Klima fort (2 Min)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.07.2021 | 06:00 Uhr

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