Blick in einen Sitzungssaal des Strafjustizgebäudes in Hamburg. Ein 29-Jähriger soll im Februar 2021 seine damalige Lebensgefährtin tödlich verletzt und am Folgetag seine Mutter mit zahlreichen Messerstichen umgebracht haben. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

Freundin und Mutter ermordet: 29-Jähriger kommt in Psychiatrie

Stand: 07.09.2021 16:20 Uhr

Wegen der heimtückischen Ermordung seiner Freundin und seiner Mutter hat das Landgericht Hamburg die dauerhafte Unterbringung eines 29-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Der Beschuldigte leide an einer paranoiden Schizophrenie, die durch den dauerhaften Konsum von Cannabis ausgelöst worden sei, sagte die Vorsitzende Richterin am Dienstag bei der Urteilsbegründung. Er sei psychisch schwerst erkrankt und stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Lebensgefährtin und Mutter brutal getötet

Mit dem Urteil entsprach das Gericht den Forderungen von Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertretern. Der Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft nahmen das Urteil an. Damit wurde es rechtskräftig. Nach Überzeugung der Strafkammer erwürgte der 29-Jährige am Abend des 5. Februar 2021 seine 24-jährige Lebensgefährtin, als diese ein Bad nehmen wollte. Anschließend zerteilte er ihren Leichnam. In seinem Wahn habe er geglaubt, sie wolle ihn umbringen. Dann habe er gedacht, seine Mutter wolle ihn erschießen. Als die 53-Jährige ihn am Nachmittag des 7. Februar in seiner Dachgeschosswohnung in der Bramfelder Chaussee besuchte, habe er sie mit 63 Messerstichen tödlich verletzt. Die Leichen fanden die Ermittler in der Wohnung des Mannes.

Wenige Wochen zuvor hatten sich Angehörige erstmals Sorgen um den 29-Jährigen gemacht, weil er psychisch immer auffälliger wurde. Doch ehe er in Behandlung kam, beging er den Doppelmord und tötete auch noch den Hund der Freundin.

Richterin: Häufiger Verbrechen nach Cannabis-Konsum

In ihrer Urteilsbegründung betonte die Richterin, dass sich nach ihrer Beobachtung die Fälle häufen, in denen Menschen nach regelmäßigem Cannabis-Konsum unter Wahnvorstellungen schwere Verbrechen begehen. Für die Strafkammer sei es bereits der dritte Fall dieser Art innerhalb kurzer Zeit, und der zweite, bei dem der Angeklagte die eigene Mutter getötet habe. Sie warnte eindringlich vor der Verharmlosung von Cannabis und Kokain. Diese Drogen könnten bei Menschen mit einer bestimmten genetischen Disposition Schizophrenie und Wahnvorstellungen auslösen. Um auf die Gefahren hinzuweisen, sei die Öffentlichkeit von dem Prozess nicht ausgeschlossen worden, obwohl das bei sogenannten Sicherungsverfahren eigentlich üblich sei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.09.2021 | 17:00 Uhr

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