Stand: 11.10.2018 20:20 Uhr

Fernwärmenetz-Kauf: Neue Gutachten, neuer Ärger

Der angekündigte Rückkauf des Fernwärmenetzes sorgt weiter für Ärger im rot-grünen Hamburger Senat. Hintergrund sind zwei Gutachten zum aktuellen Wert des Leitungssystems. Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hat am Donnerstag zunächst neue Zahlen vorgelegt, nach denen das Fernwärmenetz 1,1 Milliarden wert sei. Die Stadt werde das Netz laut seiner Aussage nicht überteuert erwerben, sondern sogar Gewinn machen. Ein Gutachten der SPD-geführten Finanzbehörde widerspricht dem hingegen. Es liegt NDR 90,3 vor. Demnach sei das Fernwärmenetz maximal 920 Millionen Euro wert. Von Gewinn könne also keine Rede sein.

Umweltsenator Jens Kerstan steht in seinem Büro. © NDR Foto: Julia Weigelt

Neue Fernwärme-Gutachten vorgelegt

NDR 90,3 -

Der angekündigte Rückkauf des Fernwärmenetzes sorgt weiter für Ärger im rot-grünen Senat. Hintergrund sind zwei Gutachten zum aktuellen Wert des Leitungssystems.

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Zunächst rechtliche Bedenken

Zum Kauf des Fernwärmenetzes, wie ihn ein Volksentscheid fordert, hatte es zunächst rechtliche Bedenken gegeben, weil Hamburg dieses zu teuer kaufe. Vor vier Jahren hatte Hamburg einen Preis von 950 Millionen Euro garantiert. Der galt lange als überteuert. Die Bedenken seien ausgeräumt, hieß es vom Senat zunächst am Dienstag.

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Kerstan: Hamburg macht Gewinn

Der Umweltsenator erklärte dann am Donnerstag: Die Umweltbehörde hätte eine Unternehmensberatung beauftragt, um das Netz - anders als zuvor - ohne den Anschluss des Kohlekraftwerks Moorburg zu bewerten.

Die Stadt wolle stattdessen ein Gaskraftwerk südlich der Elbe bauen und verstärkt Industrieabwärme nutzen, erklärte Kerstan sein neues Gutachten. "Das Ergebnis ist, dass das Unternehmen 1,1 Milliarden wert ist, also deutlich über dem Mindestkaufpreis von 950 Millionen Euro."

Finanzbehörde geht von geringerem Wert aus

Die von der Finanzbehörde beauftragten Gutachter kommen indes mit 920 Millionen Euro zu einem anderen Schluss. Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) geht dementsprechend von einem deutlich geringeren Wert der Fernwärmeleitungen als die Umweltbehörde aus. Beim Kauf werde man auch weiterhin mit kaufmännischer Vorsicht agieren, sagte Dressel.

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Rund 200.000 Hamburger nutzen Fernwärme. Ein Volksentscheid schreibt der Stadt vor, das Netz zurückzukaufen. Doch daraus ergeben sich einige Probleme. Aktuelle Meldungen zum Thema gibt es hier. (28.09.2018) mehr

Hamburg will Fernwärmenetz komplett kaufen

Am kommenden Dienstag wird der Senat über den Rückkauf entscheiden, danach muss sich die Bürgerschaft damit befassen. Am vergangenen Dienstag hatten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Finanzsenator Dressel bekannt gegeben, dass Hamburg den Volksentscheid zu den Energienetzen aus dem Jahr 2013 vollständig umsetzen werde und zum 1. Januar 2019 das Fernwärmenetz der Hansestadt von Vattenfall komplett zurückkauft.

Stadt will weitere Milliarde investieren

Zusätzlich zum Kaufpreis will die Stadt eine weitere Milliarde Euro in das Netz investieren: So viel sollen neue Kraftwerke, der Umbau des Kohlekraftwerks Tiefstack auf Gas sowie eine Leitung unter der Elbe kosten. Die Preise für Fernwärmekunden sollen trotz der Milliardeninvestitionen stabil bleiben - darin wiederum sind SPD und Grüne sich einig.

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Per Volksentscheid stimmen die Hamburger heute ab, ob die Stadt die Strom-, Gas- und Fernwärme-Netze komplett zurückkaufen soll. NDR.de hat mit Gegnern und Befürwortern gesprochen. (14.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.10.2018 | 22:00 Uhr

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