Stand: 23.07.2019 16:23 Uhr

Elbvertiefung: Langes Ringen hat sich gelohnt

Die Elbvertiefung soll dafür sorgen, dass noch mehr große Containerschiffe und damit noch mehr Container nach Hamburg kommen können. Der offizielle Auftakt der Baggerarbeiten ändert aber nichts daran, dass das Projekt sehr umstritten ist und bleibt - nicht nur bei Umweltverbänden, sondern auch in der Politik.

Ein Kommentar von Anette van Koeverden, NDR 90,3

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Anette van Koeverden bezweifelt, dass die Elbvertiefung dem Hamburger Hafen wieder goldene Zeiten beschert.

Als in Hamburg vor 17 Jahren die Elbvertiefung auf den Weg gebracht wurde, hatte der jetzige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gerade sein Magisterstudium abgeschlossen. Und zwar in der Dreiflüssestadt Passau in Niederbayern.

Am Dienstag bestimmten nicht Donau, Inn und Ilz den Tag von Scheuer, sondern die Elbe. Ihre Vertiefung dürfte als eines der längsten Planfeststellungsverfahren Deutschlands in die Geschichte eingehen. Ist jetzt endlich alles gut? Nein! Denn dass mit dem Start der Elbvertiefung für den Hamburger Hafen wieder goldene Zeiten anbrechen, darf bezweifelt werden.

Sinkende Umschlagszahlen haben auch andere Gründe

Die Region kann aber immerhin den wirtschaftlichen Anschluss halten an die Konkurrenz in Rotterdam und Antwerpen. Und die breitere und tiefere Fahrrinne hilft der Hafenwirtschaft, denn es können bis zu drei Millionen Container zusätzlich nach Hamburg gelangen, ohne dass die Reedereien mehr Schiffe einsetzen müssten. Große Schiffe können künftig in Wedel aneinander vorbeifahren, wo die Elbe auf 345 Meter verbreitert wird.

Klar ist aber auch, dass die sinkenden Umschlagszahlen der vergangenen Jahre nicht allein auf die ausstehende Elbvertiefung zurückzuführen sind. Im Hafen müssen dringend Straßen und Brücken saniert und die Anbindung ans Umland verbessert werden.

Weitere Vertiefung kaum noch zu vermitteln

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Den Umweltverbänden jetzt die Schuld zu geben für das langwierige Verfahren, ist zu schlicht. Sicherlich haben NABU und BUND jede Chance des Verbandsklagerechts genutzt, um die Elbvertiefung doch noch zu verhindern. Andererseits waren die Pläne von Hamburg und dem Bund offensichtlich an verschiedenen Stellen so schlecht ausgearbeitet, dass sich genau diese Chance auch bot. Eine bessere Vorbereitung vonseiten der Stadt und des Bundes hätte den Prozess beschleunigt. Mit reinem Wirtschaftsblick seine Interessen arrogant durchbringen zu wollen, funktioniert eben nicht mehr. Auflagen des Gerichts zum Umweltschutz und Ausgleichsmaßnahmen hätte man gleich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit verfolgen müssen.

Bleibt die entscheidende Frage, ob diese Elbvertiefung die letzte sein sollte. Ja, auch wenn die Tiefe auf Dauer nicht reichen wird - bei immer größeren Containerschiffen. Aber eine weitere Elbvertiefung ist mit Blick auf den Umweltschutz, das lange Verfahren und die Kosten in Höhe von fast 800 Millionen Euro kaum noch vermittelbar.

Prozess im Zeichen des Umweltschutzes

Der lange Prozess hat jetzt immerhin dafür gesorgt, dass die Umweltschützer noch nie so viele Erfolge erringen konnten. Mit einem Süßwassermanagement, Finanzhilfen für die Obstbauern, sicheren Deichen vor allem in Niedersachsen und der Rettung des Schierlingswasserfenchels.

In Zeiten von Greta Thunbergs "Fridays for Future" und der Klimaschutzdebatte hat sich das lange Verfahren damit am Ende doch noch gelohnt. Aber statt über weitere Vertiefungen nachzudenken, sollte die Politik jetzt eine norddeutsche Hafenkooperation und Strategie ins Auge fassen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 27.07.2019 | 08:40 Uhr

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