Die ehrenamtlichen Helfer des Mitternachtsbusses versorgen Obdachlose in der Hamburger Innenstadt. © dpa / picture-alliance Foto: Christian Charisius

Eis und Schnee: Weniger Obdachlose nutzen Mitternachtsbus

Stand: 12.02.2021 08:18 Uhr

Die Temperaturen auf Hamburgs Straßen liegen in diesen Tagen deutlich unter dem Gefrierpunkt. Der Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg versorgt derzeit rund 70 Obdachlose pro Nacht mit warmen Getränken, Essen, Schlafsäcken oder Kleidung.

Das seien etwas weniger Menschen als sonst, sagt Projektleiterin Sonja Norgall. "Da sind wir froh drum." Denn das bedeute, dass viele Betroffene angesichts der Kälte doch verstärkt die Obdachlosen-Unterkünften des städtischen Winternotprogramms nutzten. "Außerdem gibt es ein privat finanziertes Projekt in Hamburg, Leute in Hotelzimmern unterzubringen." In den Wintermonaten seien normalerweise um die 100, in Sommermonaten etwa 200 Gäste jede Nacht am Bus.

Seit 25 Jahren auf einer festen Route unterwegs

Seit November 1996 fahren die ehrenamtlichen Helfer an 365 Tagen im Jahr zu sozialen Brennpunkten der Hansestadt und verteilen Brühe, Schokoriegel, Taschentücher oder Isomatten an Obdachlose. Seit Januar 2019 gibt es ein zusätzliches Angebot in der Hansestadt: Der sogenannte Kältebus, der inzwischen vom "CaFée mit Herz" betrieben wird, fährt zu Obdachlosen, die auf der Straße Hilfe brauchen, und kann sie zu einer schützenden Unterkunft bringen.

140 Ehrenamtliche helfen

Der Mitternachtsbus ist dagegen auf einer festen Route unterwegs. "Wir haben zwischen 20 Uhr und Mitternacht ungefähr 20 bis 30 Haltepunkte, die wir anfahren", erklärt Norgall. 140 Ehrenamtliche gehören insgesamt zum Team. Das Engagement für die Obdachlosen ist laut Norgall in der Krise nicht zurückgegangen. "Im Gegenteil", berichtete die 46-Jährige. "Es gab eine sehr große Welle der Hilfsbereitschaft." Wegen der Corona-Maßnahmen dürfen aber pro Einsatz nur noch zwei statt vier Ehrenamtliche mitfahren, Hygiene-Vorgaben wurden verschärft.

Erst Corona-Pandemie, jetzt auch noch Eis und Schnee: Die Situation der Menschen auf der Straße habe sich verschärft, berichtete einer der ehrenamtlichen Helfer, Jürgen Pfeuffer. "Es ist sehr kalt, aber die Menschen haben kaum Möglichkeiten, sich tagsüber aufzuwärmen." Denn Einkaufszentren etwa hätten geschlossen. "Viele wollen nicht ins Winternotprogramm gehen." Es sei ihnen dort zu eng oder sie hätten Sorge vor Gewalt.

Zelte für Obdachlose mit Hunden

Andere haben Probleme damit, mit ihren Hunden einen warmen Ort zu finden, weil in den meisten städtischen Unterkünften Vierbeiner nicht erlaubt sind. Zuletzt ist eine weitere private Initiative an den Start gegangen: Im Schanzenpark können Obdachlose mit ihren Hunden Zelte nutzen.

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Wer hilfebedürftige Obdachlose bemerkt, sollte über die Hamburger Telefonnummer 428 28 5000 die Sozialarbeitenden der Bezirke und die Sozialbehörde informieren, damit Straßensozialarbeitende den Obdachlosen helfen können. Die Hotline ist montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr, erreichbar. Der Kältebus ist abends unter der Nummer +49 151 65 68 33 68 zu erreichen. Sollten die Bedürftigen dagegen in akuter Gefahr sein, sollte direkt die 112 (Rettungsdienst) oder die 110 (Polizei) gerufen werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.02.2021 | 08:00 Uhr

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