Stand: 04.09.2018 17:02 Uhr

Einigung auf bessere Kita-Betreuung in Hamburg

Die Hamburger Regierungsfraktionen von SPD und Grünen haben sich mit der Initiative "Mehr Hände für Hamburger Kitas" auf eine Verbesserung der Kinderbetreuung verständigt. So soll der Betreuungsschlüssel in den Krippen von derzeit 5,1 Kindern unter drei Jahren pro Fachkraft bis Januar 2021 auf 4 sinken. In Kitas sollen ab Januar 2024 nur zehn Kinder von einer Fachkraft betreut werden, wie die Fraktionsvorsitzenden Dirk Kienscherf (SPD) und Anjes Tjarks (Grüne) am Dienstag gemeinsam mit Vertreterinnen der Initiative mitteilten. Damit ist ein Volksentscheid zur Kinderbetreuung in Hamburg abgewendet.

Eine Erzieherin umringt von kleinen Kindern.

Kita-Streit beendet: Betreuung wird verbessert

Hamburg Journal -

Rot-Grün hat sich mit der Initiative "Mehr Hände für Hamburger Kitas" auf eine stufenweise Verbesserung der Betreuungsqualität und eine Erhöhung der Zahl der Erzieher geeinigt.

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Gemeinsam sei es gelungen, "einen Rechtsanspruch auf Qualität" zu schaffen, sagte Kienscherf. "Der klare Gewinner unserer Einigung mit der Volksinitiative sind die Hamburger Kinder und ihre Eltern sowie die Beschäftigten in den Kindertagesstätten."

3.000 zusätzliche Fachkräfte notwendig

Ein entsprechendes Gesetz soll bereits am Mittwoch von der Bürgerschaft verabschiedet werden. Die Vereinbarung bedeutet Tjarks zufolge 3.000 zusätzliche Fachkräfte für die Hamburger Einrichtungen. "Diese Fachkräfte werden wir nicht von heute auf morgen an den Start bekommen. Die Fachkräftegewinnung ist die entscheidende Herausforderung bei der Umsetzung diese ambitionierten Ziele."

Initiative zufrieden mit Kompromiss

"Wir sind sehr froh, dass Hamburg sich traut, das in ein Gesetz zu gießen", sagte Alexandra Balthasar von der Initiative, die dem Senat im März gut 30.000 Unterschriften vorgelegt hatte. Eine ursprünglich geforderte Anrechnung von Vorbereitungs- und Ausfallzeiten in den Betreuungsschlüssel ist im Gesetz allerdings nicht enthalten. Es handele sich natürlich um einen Kompromiss, sagte Marina Jachenholz.

Leonhard will Qualität mit Bundesmitteln verbessern

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) begrüßte die Einigung. Über 90.000 Kinder seien derzeit in Hamburg in Betreuung. "Wir gehen davon aus, dass das noch stark aufwachsen wird." Die ab dem kommenden Jahr erwarteten Bundesmittel aus dem Gute-Kita-Gesetz würden deshalb in Hamburg "eins zu eins" in die Verbesserung der Qualität fließen, "sodass wir in der Spitze einen dreistelligen Millionenbetrag erreichen werden".

Lob und Enttäuschung

Während Wohlfahrtsverbände die Einigung lobten, zeigte sich der Landeselternausschuss Kindertagesbetreuung (LEA) enttäuscht: "In Anbetracht der jetzt schon sehr angespannten Personallage in den Kitas bleiben die Beschlüsse nicht nur hinter unseren Erwartungen zurück, sondern sicherlich auch vieler Kita-Mitarbeiter, da die mittelbare Pädagogik und die Ausfallzeiten weiterhin weitestgehend unberücksichtigt bleiben", erklärte der LEA-Vorstand.

Opposition skeptisch

Die Opposition in der Bürgerschaft zeigte sich skeptisch. "Wieder einmal mussten sich SPD und Grüne die Einhaltung ihrer eigenen Wahlversprechen erst von einer Bürgerinitiative abringen lassen", erklärte der Familienexperte der CDU, Philipp Heißner. "Auch dieser Erfolg ist nur dem Engagement von Beschäftigten und Eltern zu verdanken", meinte auch der kinderpolitische Sprecher der Linken, Mehmet Yildiz. Die Vereinbarung lasse "noch sehr viel Luft nach oben zur Verbesserung der Kita-Qualität". Bei der FDP fragte sich Daniel Oetzel: "Was passiert, wenn der gesetzlich verankerte Betreuungsschlüssel nicht eingehalten werden kann? Wo kommen die 3000 zusätzlichen Erzieher auf dem ohnehin leergefegten Arbeitsmarkt her? Wen nennt der Senat Fachkraft und welche Qualifikation muss sie haben? Diese und andere Fragen muss der Senat beantworten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.09.2018 | 14:00 Uhr

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