Stand: 07.04.2019 15:32 Uhr

Eine Praxis für Eltern ohne Hebamme

Mehr als 25.000 Geburten gab es im vergangenen Jahr in Hamburg. Eigentlich eine schöne Sache, wenn es da nicht ein immer größer werdendes Problem gäbe: Seit Jahren ist die Zahl der Hebammen rückläufig. Mehr Geburten, weniger Hebammen - eine schlechte Kombination. Wer in Hamburg eine Hebamme braucht, sollte also möglichst frühzeitig mit der Suche beginnen. Nicht wenige Mütter bleiben trotzdem ohne Hebamme.

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Hebamme Ilka Kaufmann kümmert sich um verunsicherte Eltern - und ihre Kinder.

Einen Ansatz zur Lösung dieses Problems finden Mütter im Hamburger Schanzenviertel. Dort gibt es eine Kinderaztpraxis, die mit drei Hebammen zusammenarbeitet. Im "Lütten Nordlicht" kümmern sich drei Frauen um Fragen, die junge, verunsicherte Eltern umtreiben, die Kinderärzte aber auf Dauer überlasten würden - beispielsweise nach blutenden Bauchnabeln und Schlafproblemen bei Babys. "Die Kinderarztpraxen sind in Hamburg ja einfach auch schon sehr ausgelastet. Das war dann die Motivation zu sagen, wir haben hier eine Möglichkeit, diese Kinder und diese Familien aufzufangen", sagt Kaufmann.

Eine Notfalllösung

Kinderärzte hatten die Hebammen angesprochen, ob sie nicht direkt nebenan eine Hebammen-Sprechstunde anbieten könnten. Und so kommen jetzt viele Mütter zu Ilka Kaufmann, Leah Bianchini und Christina Mucks - eben weil sie keine eigene Hebamme gefunden haben. Doch das Konzept soll ausdrücklich eine Notfalllösung bleiben. Denn beide sehen weiterhin ihre Kernaufgabe in der Wochenbettbetreuung zu Hause. Doch schon dieses Jahr sind sie da schon fast komplett ausgebucht: "Absagen? Unendlich viele. Manchmal leider auch, was ich sehr traurig finde, Familien, die ich selbst schon einmal betreut habe, die sich dann vielleicht zwei Wochen zu spät melden", sagt Bianchini. Aber irgendwann sei eben auch ein Limit erreicht.

Eine Hebamme bei der Arbeit.

Baby-Boom: Hebammen dringend gesucht

Hamburg Journal -

Mehr als 25.000 Geburten gab es 2018 in Hamburg. Der Baby-Boom hält weiter ungebrochen an, doch die Zahl der Hebammen ist seit Jahren rückläufig - eine schlechte Kombination.

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Viel Arbeit, wenig Geld

Um dem extremen Hebammen-Mangel in Hamburg entgegen zu wirken, muss mehr ausgebildet werden. Doch der Hebammen-Beruf ist zeitintensiv - 50 Arbeitsstunden pro Woche bei nicht sehr attraktiver Bezahlung sind kein großer Anreiz.

180 Studienplätze für Hebammen

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Hamburgs Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks will die Attraktivität des Hebammen-Berufs mit einer dualen Ausbildung steigern.

Die Politik will die Ausbildung auf ein duales Studium umstellen: "Ich erhoffe mir von einer akademischen Ausbildung höhere Attraktivität des Berufes", sagt Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Das sei auch angemessen, denn Hebamme sei ein sehr verantwortungsvoller Beruf. "Das hat dann natürlich nochmal eine Strahlkraft, auch auf diejenigen mit Abitur, die das vielleicht nicht in Erwägung gezogen haben", hofft Prüfer-Storcks. Schon im nächsten Jahr soll es dann 180 Studienplätze für Hebammen geben. Fraglich bleibt, ob das reicht.

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Neues Modell für Hebammen in Hamburg

Viele Hebammen arbeiten an Krankenhäusern unter erschwerten Bedingungen. Auf ausgeschriebene Stellen gibt es kaum Bewerbungen. Das Hebammenkontor in Hamburg könnte das ändern. (30.03.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.04.2019 | 19:30 Uhr

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