Stand: 16.04.2020 19:44 Uhr  - NDR 90,3

Dressel: "Rettungsaktion für das 'Heimat-Echo'"

Es ist das Ende einer Hamburger Traditionszeitung. Mehr als 60 Jahre lang haben die Menschen im Alstertal und in den Walddörfern jeden Mittwoch ihr "Heimat-Echo" im Briefkasten gefunden. Es ist eine Lokalzeitung aus dem Bilderbuch mit Berichten und Neuigkeiten aus dem eigenen Viertel. Jetzt ist Schluss, von jetzt auf gleich. Die Mitarbeiter haben vor einer Woche davon erfahren. Gerade ist die letzte Ausgabe erschienen. Ein Leser seit Jahrzehnten ist Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Er hat jetzt einen Rettungsaufruf mitinitiiert. Daniel Kaiser hat mit ihm gesprochen.

Wie überraschend kam das Ende für Sie?

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Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) will dabei helfen, dass das Traditionsblatt erhalten bleibt.

Andreas Dressel: Jeder aufmerksame Beobachter sieht, dass diese Corona-Zeiten gerade für Anzeigenblätter eine ganz schwierige und dramatische Situation sind, denn die Anzeigeneinnahmen brechen ein. Das ist schon eine bittere Phase. Trotzdem waren wir als Leser, als Politiker, als Vereine und Verbände sehr erschrocken, als wir diese Nachricht bekamen, und wir haben alle ein großes Interesse daran, mitzuhelfen dafür zu sorgen, dass es für das "Heimat-Echo" eine Zukunft gibt.

Was ist das Besondere am "Heimat-Echo"?

Dressel: Das "Heimat-Echo" ist kein Anzeigenblatt, wie es so viele andere in Deutschland gibt. Es hat sich über die vielen Jahrzehnte einen journalistischen Anspruch erarbeitet und bewahrt und immer wieder dafür gesorgt, dass lokale Themen vorangebracht werden konnten. In den 1970er-Jahren sorgte die Zeitung mit dafür, dass die Walddörfer ein eigenes Schwimmbad bekommen haben. Und als das Ortsamt geschlossen werden sollte, hat sie sich an die Spitze der Bewegung gestellt und mit dafür gesorgt, dass es für die Nachwelt erhalten bleiben konnte. Die Zeitung hat die Anliegen der Bürger zu ihren eigenen Anliegen gemacht. Das ist etwas ganz Besonderes, und das macht auch echte Bürgernähe von solchen Medien aus. Insofern ist das auch etwas, was unbedingt erhaltenswert ist.

Das "Heimat-Echo" ist ja nicht eigenständig, sondern es gehört den Medienkonzernen Madsack und Funke. Sie haben jetzt einen Rettungsaufruf unterzeichnet. Was erhoffen Sie sich davon?

Dressel: Ich erhoffe mir davon, dass die Eigentümer und Herausgeber noch einmal über die Entscheidung nachdenken. Unser Aufruf ist von der Geschäftsführung registriert worden. Wir haben auch schon Gespräche aufgenommen. Man ist dort sehr von der großen Sympathie und dem Wohlwollen gegenüber der Zeitung beeindruckt. Ich hoffe, dass daraus etwas Gutes erwächst, so dass die letzte Ausgabe vom vergangenen Mittwoch nicht die definitiv letzte bleiben muss.

Gibt es auch etwas, was Sie als Politiker und Senator tun können?

Dressel: Wir sind in den Stadtteilen gut vernetzt und werden unsere Kontakte nutzen. Viele Abgeordnete aus allen Parteien machen mit: SPD, CDU, Grünen, die Linke und die FDP. Es gibt eine ganz, ganz große Koalition für das "Heimat-Echo", und wir als Vermittler vor Ort werden jetzt die Vereine, Verbände und die Wirtschaft mit ranholen, denn klar ist: Wir werden, wenn wir eine Zukunftsperspektive entwickeln wollen, dafür sorgen müssen, dass es eine verbindlichere Bereitschaft gibt, Anzeigen zu schalten, um zum wirtschaftlichen Überleben eines solchen Blattes auch beizutragen. Ganz umsonst wird das für niemanden sein. Es muss einem etwas wert sein, um etwas so Tolles wie das "Heimat-Echo" zu erhalten.

Das Interview führte Daniel Kaiser.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.04.2020 | 19:20 Uhr

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