Diskriminierende Sprache: Kein "Schwarzfahren" mehr im HVV

Stand: 12.07.2021 17:55 Uhr

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) verzichtet künftig auf den Begriff "Schwarzfahren". Damit reagiert er auf Menschen, die diesen Begriff rassistisch finden.

Nach den Verkehrsbetrieben in Berlin, München und Hannover streicht auch der HVV das Wort "Schwarzfahren" aus seinem Wortschatz. Wie NDR 90,3 erfuhr, haben sich die HVV-Partner Hochbahn und S-Bahn letzte Woche darauf verständigt. "Da wir sehen, dass sich vermehrt Menschen an dem Begriff stören, suchen wir nach Alternativen, um unsere Wortwahl anzupassen", sagte HVV-Sprecher Rainer Vohl.

Aufkleber werden ersetzt

Auf HVV.de tauchen "Schwarzfahrer" kaum noch auf, als große Aufkleber in Bussen und Bahnen jedoch schon noch. Dort heißt es: "Finstere Aussichten für Schwarzfahrer - 60 Euro Strafe." Die Aufkleber werden aber bald ersetzt. Eine Hochbahn-Sprecherin sagte, heutzutage hätte man sowieso von Schwarzfahrerinnen und Schwarzfahrern sprechen müssen. Sprache ändere sich. Der korrekte Begriff sei nicht komplizierter: "Fahren ohne gültiges Ticket". So heißt es heute schon meistens - und bald dann ausschließlich.

Seelmaecker: Lieber um wahre Probleme kümmern

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Richard Seelmaecker, hat wenig Verständnis für die Umbenennung. "Hier wird etwas zum Problem erklärt, das keines ist," so der CDU-Politiker. Erst eine selbsternannte Sprachpolizei mache das Wort zum Problem, indem sie einen künstlichen rassistischen Bezug herstelle. Seelmaecker wünscht sich, dass man sich in Hamburg um die Lösung der wahren Probleme kümmere.

Buschhüter: Rassismus muss man anders bekämpfen

Die Grünen hingegen sind einverstanden. Die Fraktionsvorsitzende Jennifer Jasberg erklärte: "Wir begrüßen es, wenn der HVV sich um eine Sprache bemüht, die nicht als Diskriminierung verstanden werden kann." Ole Thorben Buschhüter, Verkehrs-Sprecher der SPD kann zwar gut auf das Wort "Schwarzfahren" verzichten. Doch aus der Umgangssprache werde es nicht verschwinden. Buschhüter wörtlich: "Im Kampf gegen Rassismus bedarf es anderer, wirksamerer Maßnahmen."

"Schwarzfahren" kommt nicht von Schwarz

Etymologisch hat der Begriff "Schwarzfahren" übrigens nichts mit Farbe zu tun. Ursprünglich geht er eher darauf zurück, dass Tätigkeiten bei Nacht durchgeführt wurden. Beziehungsweise sagte der Sprachwissenschaftler Eric Fuß in deutschen Medien, dass der Ausdruck vom jiddischen Wort "shvarts" (Armut) komme und demnach Menschen bezeichnete, die zu arm waren, um sich ein Ticket zu kaufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.07.2021 | 12:00 Uhr

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