Stand: 21.07.2019 09:48 Uhr

Digitale Lotsen gegen Stau bei Binnenschiffen

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Bei Verzögerungen wird es schwierig: Dann muss Schiffsführer Bernd Schierjott alles neu planen.

Das Binnenschiff "BCF Glückauf" ist von Lüneburg die Elbe stromabwärts gefahren - Richtung Hamburger Hafen. Für Schiffsführer Bernd Schierjott ist die Fahrt die Elbe runter oft ein zeitliches Risiko, denn er hat 141 Container geladen und muss sie pünktlich abliefern. Der Plan ist ausgetüftelt: Sechs Terminals im Hamburger Hafen muss Schierjott anlaufen und die Liegefenster sind sehr kurz. "Die größte Herausforderung ist, dass man ankommt und seinen Platz auch belegt. Denn Seeschiffe und Feeder gehen ebenfalls an unseren Platz", sagt er. Jedes Jahr laufen rund 4.000 Feeder- und Binnenschiffe den Hamburger Hafen an, jedes von ihnen kann sich verspäten und so die Abfertigung verzögern.

Stau verändert die Planung

Drei Schleusen und ein Hebewerk hat Schierjott auf der Strecke über den Mittelland-Kanal und den Elbe-Seitenkanal bis zur Elbe - von Magdeburg nach Hamburg - bereits passiert. Mit vielen Unwägbarkeiten. "Stau vor der Schleuse kann es von einem bis zu 30 Schiffen geben. Und dann müssen wir unser ganzes Programm umschmeißen und eigentlich von Neuem planen. Was wir dann zwei Tage vorher berechnet haben, passt dann nicht mehr und dann muss das eben neu koordiniert werden", sagt er.

Blick von einem Containerschiff, dass über die Elbe durch Hamburg fährt, vorbei an der Speicherstadt und Elbphilharmonie.

Digitale Lotsen auch für Binnenschiffe

Hamburg Journal -

Im Hamburg Vessel Coordination Center haben sich Reedereien und Terminalbetreiber zusammengetan, um den Verkehrsfluss und die Abfertigungen im Hafen zu optimieren - auch für Binnenschiffe.

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Binnenschiffe sollen es leichter haben

Auf dem Radar vom Schiffskoordinator Jan Hartwig ist die "BCF Glückauf" schon einige Stunden zu sehen, ehe sie in den Hamburger Hafen einläuft. Hier im Hamburg Vessel Coordination Center (HVCC) direkt am Terminal Tollerort der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) haben sich mehrere Reedereien und Terminalbetreiber zusammengetan, um den Verkehrsfluss und die Abfertigungen im Hafen zu optimieren. Das soll nun auch für Binnenschiffe gelten.

Es geht darum, die genauen Lösch- und Ladezahlen zu erfassen und zu koordinieren, um einen reibungslosen Ablauf zu schaffen. "Welches Schiff möchte an welchem Terminal welche Container löschen oder auch wieder laden?", erklärt Hartwig vom HVCC.

Genau diese Fragen hat das HVCC auch im Fall der "BCF Glückauf" frühzeitig mit den Terminals abgestimmt. Kurz bevor das Schiff in den Hamburger Hafen einläuft, beginnt dann die Feinabstimmung. Auf diese Weise kann das HVCC - weltweit einmalig - auf jede Verspätung, die die Abfertigung verzögern kann, reagieren und alternative Zeitfenster und Liegeplätze anbieten. Bald sollen auch die Schleusen-Daten hinzukommen.

In der Vernetzung liegt das Potenzial

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Gerald Hirt, der Leiter des HVCC, sieht in der Vernetzung von Häfen ein "enormes Potenzial" für die Binnenschifffahrt.

"Wir können Verkehre bis nach Dresden, bis in die Tschechische Republik anbieten. Das ist ganz wichtig für den Hamburger Hafen, um dieses Hinterland mit einem umweltverträglichen Verkehrsträger zu bedienen", sagt Gerald Hirt, Leiter des HVCC.

Er geht davon aus, dass die Digitalisierung in der Schifffahrt in den nächsten Jahren ihre richtige Blüte entfalten wird. "Ich glaube, in der Vernetzung von Häfen, von Schiffen mit Häfen und von Häfen untereinander liegt enormes Potenzial", sagt Hirt.

Vollbeladen geht es wieder zurück

Die "BCF Glückauf" mit Schiffsführer Bernd Schierjott hat das Terminal am Tollerort pünktlich erreicht. Nun kann gelöscht und neu verladen werden. Dann geht es wieder vollbeladen die Elbe hoch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 15.07.2019 | 19:30 Uhr

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