Stand: 28.11.2018 19:16 Uhr

Die HSH Nordbank ist Geschichte

Der Verkauf der HSH Nordbank ist seit Mittwoch abgeschlossen. Zehn Monate nach dem Abschluss der Kaufverträge unterzeichneten die Vertragspartner in einem Hamburger Notariat die sogenannte Closing-Vereinbarung. Darin ist festgehalten, dass verschiedene Bedingungen für den Verkauf erfüllt sind und die Kaufverträge damit in Kraft treten. Die Bank geht für einen Kaufpreis von einer Milliarde Euro an US-amerikanische Investmentfonds unter der Führung der Firma Cerberus und des Investors Christopher C. Flowers.

"Das Geld ist da"

"Das Geld ist da", sagte der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), der gemeinsam mit seiner Kieler Kollegin Monika Heinold (Grüne) über den Abschluss informierte. Der Verkauf sei kein Anlass für Jubelstürme, ergänzte Dressel. Schließlich haben Hamburg und Schleswig-Holstein durch die früheren Finanzspekulationen der Bank und deren Rettung durch öffentliche Mittel gemeinsam einen zweistelligen Milliardenbetrag aufbringen müssen. Rund 14 Milliarden Euro Verlust bleiben den beiden Ländern nach dem Verkauf.

Keine Jubelstürme, aber Erleichterung

Dennoch zeigten sich Dressel und Heinold auch erleichtert. Beide bekräftigten, dass der Verkauf der beste Schritt für die Steuerzahler und auch die Mitarbeiter gewesen sei. Unklar ist, wie viel Arbeitsplätze das Desaster der HSH Nordbank noch kosten wird. Heinold machte deutlich, dass die Finanzchefs keine verbindliche Zusage für einen Standorterhalt in Kiel eingefordert hätten, "weil wir diese hätten bezahlen müssen".

Neuer Name für die Bank

Die Bank erhält nun einen neuen Namen und wird künftig Hamburg Commercial Bank heißen. Der neue Name soll ab Februar öffentlich sichtbar sein. Auch der Aufsichtsrat wird ausgewechselt. Den Vorsitz übernimmt der spanische Banker Juan Rodriguez Inciarte. Der Hamburger Sitz der Bank am Gerhart-Hauptmann-Platz wird zunächst beibehalten.

Ermisch: "Es werden Stellen wegfallen"

Die neue Hamburg Commercial Bank will ihre zentralen Geschäftsbereiche weiter betreiben - "allerdings mit einem schärferen Fokus sowie insgesamt differenzierter und effizienter im Einsatz ihrer Ressourcen", wie Bankchef Stefan Ermisch sagte. Der Wechsel von öffentlichen zu privaten Anteilseignern sei echtes Neuland im deutschen Bankensektor und markiere den Beginn einer neuen Zeitrechnung. Die Bank konzentriere sich jetzt mit aller Kraft auf die neue Ära und werde zu einer mittelständischen Geschäftsbank aus Hamburg für Deutschland. Ermisch sagte, es würde zu einem Arbeitsplatzabbau kommen. "Wir werden nicht profitable Randaktivitäten beenden. Es werden Stellen wegfallen, weil wir eine kleinere und weniger komplexe Organisation sein werden."

Finanzkrise und Skandale

Die HSH Nordbank war im Juni 2003 aus den Landesbanken in Hamburg und Kiel entstanden und hat somit gut 15 Jahre lang existiert. In dieser Zeit geriet sie in die Finanzkrise und verschiedene andere Skandale und musste mehrfach mit Steuergeld gerettet werden. Am Ende verfügte die EU-Kommission den Verkauf oder die Abwicklung der Bank.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.11.2018 | 16:00 Uhr

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