Esther Bejarano im Porträt © picture alliance/dpa | Axel Heimken

Der Hamburger Senat will Esther Bejarano würdigen

Stand: 13.07.2021 16:12 Uhr

Nach dem Tod von Esther Bejarano will der Hamburger Senat die Auschwitz-Überlebende und Kämpferin gegen Rassismus würdigen. Momentan prüft er, ob und wo es eine Esther-Bejarano-Straße oder einen Esther-Bejarano-Platz in der Stadt geben wird.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) unterstützt diesen Vorschlag, sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag auf der Landespressekonferenz. "Der Senat hat Esther Bejarano heute noch einmal gedacht", so Schweitzer. Sie sei eine außergewöhnliche Person gewesen. Für die Würdigung und Ehrung ihrer Leistung werde der Senat entsprechende Möglichkeiten schaffen. "Der Senat wird prüfen, wie diese Würdigung erfolgen kann und welche Straße oder welcher öffentliche Platz sich hierfür eignet", ergänzte er.

Boeddinghaus: "Bejarano war ein Vorbild"

Die Hamburger Linksfraktion hatte am Montag gefordert, Esther Bejarano mit einer Straße, einem Platz oder auch einer Schule zu ehren. Sie war am Sonnabend im Alter von 96 Jahren in Hamburg gestorben. Bejarano sei ein Vorbild mit ihrer Haltung, ihrem Engagement und auch mit ihrem Optimismus, hatte die Hamburger Linken-Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus gesagt. "Sie hat ihre Stimme genau deshalb mit einer unglaublichen Kraft erhoben gegen alle Formen rechter Hetze und Gewalt. Hamburg hat ihr so viel zu verdanken - es ist nur angemessen, wenn der Senat nun rasch handelt und einen wichtigen Ort oder eine Schule in unserer Stadt nach Esther Bejarano benennt", so Boeddinghaus.

Eine Esther-Bejarano-Schule ist wahrscheinlich

Auch stehen die Chancen gut, dass es in Zukunft eine Esther-Bejarano-Schule in Hamburg geben wird. Ihr Name steht bereits auf einer Liste für neue Schulnamen. Die Schulbehörde hatte im vergangenen Jahr dazu aufgerufen, Vorschläge zu machen. Denn in den kommenden zehn Jahren entstehen 44 neue staatliche Schulen in Hamburg. Mehr als 700 Namensvorschläge gingen bei der Behörde ein - darunter eben auch der Name von Esther Bejarano. Es könnte aber auch die Schulkonferenz einer bestehenden Schule beschließen, sich nach der Antifaschistin umzubenennen.

Gedenken an Esther Bejarano

Das Auschwitz-Komitee hatte Bejarano am Sonntag am Platz der Bücherverbrennung in Hamburg gedacht. Freunde und Bekannte legten Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Nach der Nachricht über ihren Tod am Sonnabend gab es zahlreiche Würdigungen durch Vertreterinnen und Vertreter aus der Zivilgesellschaft und der Politik. "Mit dem Tod von Esther Bejarano verliert Hamburg eine außergewöhnliche Bürgerin, die sich bis ins hohe Alter für das Gemeinwohl engagierte", sagte Hamburgs Bürgermeister Tschentscher laut einer Mitteilung am Sonnabend. Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) erklärte: "Hamburg und Deutschland haben einen ganz besonderen Menschen verloren. Darüber bin ich sehr traurig." Bejarano habe wie kaum jemand an die Gräuel der NS-Verbrechen erinnert und jahrzehntelang Menschen aller Altersgruppen für dieses Thema wachgerüttelt.

Musikerin und Auschwitz-Überlebende

Bejarano hatte das NS-Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebt, weil sie dort im Mädchenorchester spielte. Später gründete sie das Auschwitz-Komitee in Deutschland. Bis ins hohe Alter engagierte sie sich gegen das Vergessen und gegen Rechtsextremismus. Hierfür besuchte sie auch zahlreiche Schulen und erzählte Kindern und Jugendlichen von ihrem Leben.

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Esther Bejarano, deutsch-jüdische Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, sitzt in einem Sessel in ihrer Wohnung. © picture alliance/dpa | Axel Heimken Foto: Axel Heimken

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