Stand: 06.07.2019 18:01 Uhr

Demo für zivile Seenotrettung in Hamburg

In Hamburg haben nach Polizeiangaben am Sonnabend etwa 3.500 Menschen für eine unbehinderte Seenotrettung im Mittelmeer und legale Einreisewege für Geflüchtete demonstriert. Sie folgten einem Aufruf der Initative Seebrücke, die sich für die Aufnahme aller derzeit aus Seenot geretteten Flüchtlinge in Deutschland einsetzt. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Notstand der Menschlichkeit". Auch in anderen norddeutschen Städten - unter anderem in Niedersachsen - wurde gegen die Kriminalisierung von Seenotrettern protestiert.

Solidarität mit der "Sea-Watch 3"

"No border, no nation" - also keine Grenzen, keine Nationen -, skandierten die Demonstranten. Viele hatten Transparente und Schilder dabei - "Warum muss ich für Seenotrettung demonstrieren?" oder "Seenotrettung ist kein Verbrechen" stand darauf. Auch Forderungen nach der Freigabe des in Italien beschlagnahmten Schiffes "Sea-Watch 3" waren zu lesen.

Die Route des Demonstrationszuges ging vom neuen Pferdemarkt über die Budapester Straße und die Landungsbrücken bis zur Hafenstraße. Mit der Freilassung von Carola Rackete sei der Anlass für die Protestdemonstration nicht entfallen, hieß es seitens der Seebrücke im Vorwege. Die Kapitänin hatte mit der "Sea-Watch 3" und 40 Migranten an Bord ohne Erlaubnis die italienische Insel Lampedusa angesteuert. Sie wurde kurzzeitig unter Hausarrest gestellt.

Kritik auch am Hamburger Senat

Die Kritik der Initiative Seebrücke richtet sich auch gegen die Politik von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und der Hamburger rot-grünen Regierungskoalition. "In der aktuellen Krise um die Geretteten auf der 'Sea-Watch 3' hat unsere Stadtspitze geschwiegen", sagte Simone Fischer von der Initiative. "Sicherer Hafen" sei kein Titel, den sich eine Stadt an die Wand hängt, sondern eine Verpflichtung zum Handeln. "Dieses Handeln vermissen wir in Hamburg", so Fischer.

Demo: Solidarität mit der "Sea-Watch 3"

Bundesweite Demonstrationen

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Nicht nur in Hamburg wird am Sonnabend demonstriert, unter anderem auch in Hannover, Kiel und Lübeck gehen Menschen aus Solidarität auf die Straße.

Ähnliche Aktionen gab es am Sonnabend bundesweit in sehr vielen deutschen Städten. In Kiel demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 250 Menschen friedlich für die Rechte von Flüchtlingen. In Lübeck versammelten sich nach Veranstalter-Angaben etwa 350. "Es war laut und entschlossen", sagte eine dortige Mitorganisatorin. In Wismar waren es demnach rund 50 Demonstranten. In Rostock war eine Demo für den späteren Nachmittag angesetzt.

Zwei weitere Schiffe liegen vor Lampedusa

Derzeit wartet Kapitänin Rackete an einem unbekannten Ort auf eine weitere Anhörung am 9. Juli. Unterdessen geht das Tauziehen um das Schicksal Dutzender Bootsflüchtlinge im Mittelmeer weiter: Vor Lampedusa liegen derzeit zwei Rettungsschiffe mit über 100 Geretteten an Bord, denen die Einfahrt in italienische Hoheitsgewässer verboten wird. Inzwischen hat Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) der EU-Kommission angeboten, einen Teil der Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen.

Weitere Informationen
Das Erste: Panorama

Sea-Watch: Rackete will sich Prozess stellen

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Die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, will sich den Vorwürfen gegen sie und ihre Hilfsorganisation in Italien auch in einem Prozess stellen. Das sagte sie in einem Interview mit Panorama. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 06.07.2019 | 19:30 Uhr

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