Stand: 23.07.2019 07:00 Uhr

Debatte über HVV-Preiserhöhungen geht weiter

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Hamburgs Bürgermeister Tschentscher will die Preiserhöhung beim HVV begrenzen.

Die Debatte über die Preiserhöhungen beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) reißt nicht ab. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte am Montag erklärt, dass die Preiserhöhung die Inflationsrate nicht übersteigen soll. Er erteilte damit der Forderung des HVV nach einer Preiserhöhung um 2,2 Prozent eine Absage. Die höheren Ausgaben zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs müssten künftig über den Haushalt finanziert werden. Das bedeutet, dass mehr Steuereinnahmen dafür verwendet würden. Beschlossen werden die neuen Tarife von der Hamburger Bürgerschaft und den Umlandgemeinden, in denen ebenfalls der HVV-Tarif gilt.

S Bahn und Fahrgäste am Bahnsteig

HVV: Tschentscher will Preiserhöhung begrenzen

Hamburg Journal -

Nach der Ankündigung des HVV, die Preise um 2,2 Prozent anzuheben, hat Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher angekündigt, die Verteuerung auf maximal 1,8 Prozent zu begrenzen.

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HVV: Mehrkosten in Höhe von drei Millionen Euro

Der HVV reagierte gelassen auf die Ankündigung Tschentschers. Eine Erhöhung um der Fahrpreise um 2,2 Prozent sei ein Vorschlag gewesen, nun müsse die Politik entscheiden, sagte eine HVV-Sprecherin NDR 90,3. Wenn die HVV-Ticketpreise nur in Höhe des Inflationsausgleichs - zurzeit 1,8 Prozent - steigen würden, müssten Hamburg und die restlichen HVV-Mitglieder mehr als drei Millionen Euro zusätzlich bezahlen. Die angrenzenden Kreise reagierten positiv. Die Landräte signalisierten, den auf sie entfallenden Anteil der Mehrkosten mitzutragen.

Grüne für Deckelung des Preisanstiegs

Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks stellte sich hinter die Deckelung der HVV-Preiserhöhungen. Im Hamburg Journal des NDR Fernsehens sagte er: "Wir erleben seit sieben Jahren, dass die SPD die Preise im öffentlichen Nahverkehr forciert hat. Wir haben schon vor vier Jahren gesagt, dass wir das gern verändern würden, haben da aber auf Granit gebissen." Er freue sich, dass der Senat sich nun zu einer stärkeren Steuerfinanzierung des öffentlichen Nahverkehrs durchringe. Das sei ein Zeichen für die Verkehrswende.

CDU und FDP fordern Verzicht auf Preiserhöhungen

Die Oppositionsparteien verlangen nun sogar, ganz auf eine Preiserhöhung im kommenden Jahr zu verzichten. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Dennis Thering, sagte: "Wir werden in der nächsten Bürgerschaftssitzung am 14. August beantragen, die angekündigte Fahrpreiserhöhung abzulehnen." Die CDU hält auch 1,8 Prozent für "noch viel zu hoch". "Wir bräuchten genau jetzt das Signal für den Umstieg auf Busse und Bahnen zu fairen Preisen." Daher plädiere die CDU dafür, die Ticketpreise in diesem Jahr nicht zu erhöhen. Die FDP-Fraktion forderte ebenfalls, eine Preiserhöhung in diesem Jahr auszusetzen. "Schließlich ist weder eine Verteuerung der HVV-Tickets um 2,2 Prozent noch eine Steigerung um 1,8 Prozent geeignet, die Menschen für den ÖPNV zu begeistern", erklärte der verkehrspolitische Fraktionssprecher, Ewald Aukes.

Linke wirft SPD Augenwischerei vor

Die Linke warf der SPD Augenwischerei vor. "Das ist ein reines Wahlkampfmanöver“, kritisierte die Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sudmann. Der Senat müsse schon vor der Ankündigung des HVV von der geplanten Fahrpreiserhöhung von 2,2 Prozent gewusst haben. Schließlich sitze ein Vertreter der Verkehrsbehörde im HVV-Aufsichtsrat. Die HVV-Forderung "nun heldenhaft zurechtzustutzen" sei nicht mehr als eine Sommerloch-Inszenierung, sagte Sudmann NDR 90,3.

HVV-Chef: Kostensteigerung höher als geforderte Preisanhebung

Der HVV ermittelt den benötigten Einnahme-Zuwachs nach eigenen Angaben aus einem Index, in den die Kostenentwicklungen für Dieselkraftstoff, Strom und Personal sowie die Inflationsrate einfließen. Die Kosten der 28 Verbundunternehmen seien nur zu 74 Prozent gedeckt, sagte HVV-Chef Aigner. Eigentlich hätte die Index-Berechnung einen Preisanstieg von 3,0 Prozent ergeben. Die geforderte Preisanhebung von 2,2 Prozent falle also geringer aus, als es die Kostenentwicklung eigentlich erfordern würde, sagte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.07.2019 | 06:00 Uhr

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