Stand: 30.01.2019 11:28 Uhr

Das lange Warten vor der Ausländerbehörde

von Isabelle Wildberger

Es ist kurz nach 4.30 Uhr morgens am Harburger Rathausforum. Bei minus zwei Grad stehen vor dem Harburger Fachamt für Ausländerangelegenheiten rund 30 Menschen in einer Schlange vor verschlossener Tür. Die wird sich erst um 6.30 Uhr öffnen, also in zwei Stunden. Dann hat der erste in der Schlange bereits fünfeinhalb Stunden gewartet: Seit 1 Uhr nachts steht er hier. Er hofft, heute eine der begehrten Wartenummern zu erhalten. Die brauchen er und die anderen, um zum Beispiel ihren Aufenthaltstitel zu verlängern oder einen Termin zu machen.

Reicht es heute für eine Wartenummer?

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Um 6 Uhr morgens stehen schon 60 Menschen in der Warteschlange. Der Erste war um 1 Uhr da.

In der Warteschlange steht die 16-jährige Schülerin Laura M. aus Harburg. Nachdem sie in den vergangenen drei Wochen regelmäßig morgens hier gestanden und keine Wartenummer erhalten hatte, ist sie heute schon um 2 Uhr nachts gekommen. In Deutschland geboren, hat sie durch ihre Mutter einen serbischen Pass. Nun ist ihr Visum abgelaufen. Eigentlich muss sie pünktlich um 8 Uhr in der Stadtteilschule sein. Ob sie bis dahin eine Wartenummer bekommt, weiß sie auch heute nicht.

Ein paar Meter weiter in der Schlange sitzt Ubadah I. auf einem Klappstuhl. Doch er wartet nicht für sich selbst, erzählt er: "Ich habe mich um 3.20 Uhr hier angestellt, weil meine Frau im vierten Monat schwanger ist und ich nicht wollte, dass sie hier in der Kälte ein paar Stunden stehen muss." Auch er hofft, dass es heute für ein Gespräch mit einem Sachbearbeiter reicht. Seine Frau will ihren Führerschein machen und braucht dafür Dokumente.

Die angespannte Lage ist bekannt

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Laura M. geht tagsüber zur Schule und steht nachts auf, um sich in die Schlange zu stellen.

Neun Ausländerdienststellen gibt es in Hamburg. Es ist bekannt, dass die Lage dort angespannt ist. Immer wieder ist zu hören, dass Menschen in unterschiedlichen Stadtteilen nachts anstehen müssen, um überhaupt einen Termin zu bekommen - zuletzt in Wandsbek. Ein Grund für die langen Wartezeiten ist fehlendes Personal.

Mehr Personal und eine Ausweichstelle sollen helfen

Das will Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) ändern, im Interview mit dem NDR sagt er: "Wir haben personell nachgesteuert, zusätzliche Unterstützungskräfte und auch zusätzliche Sachbearbeiter-Kapazitäten geschaffen." Es dauere, bis diese überall einsatzbereit seien. Außerdem sagt Dressel, dass die Ausweichstelle für Ausländerangelegenheiten in Meiendorf Entlastung schaffen wird. Sie soll bis März eingerichtet sein. Dass Menschen nachts draußen warten müssen, um morgens einen Termin zu bekommen, sei eine Situation, die er sich als für die Verwaltung zuständiger Senator nicht wünsche.

Empfehlung der Mitarbeiter: Früh aufstehen

Die Ausländerdienstelle in Harburg ist für 32.000 Menschen zuständig. Drei Mal die Woche ist sie für bis zu acht Stunden geöffnet. Online-Termine gibt es nicht. Mitarbeiter empfehlen, bis zu drei Stunden vor der offiziellen Öffnungszeit da zu sein. Wer es morgens bis ins Gebäude schafft, muss noch mit bis zu sieben Stunden Wartezeit rechnen.

Schülerin Laura hat heute Glück: Sie konnte mit ihren Eltern bei einem Sachbearbeiter vorsprechen und hat nun eine Bescheinigung bis Ende April. Die erste Unterrichtsstunde hat sie verpasst, doch sie konnte sich zumindest mit einem offiziellen Schreiben entschuldigen. Auch die schwangere Frau von Ubadah I. hat es geschafft, kurz nach 7 Uhr im Warteraum Platz zu nehmen. Viele andere jedoch werden beim nächsten Mal wieder frühmorgens anstehen müssen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 30.01.2019 | 19:30 Uhr

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