Unscharfe Silhouette einer Person mit Aktenkoffer. © misterQM / photocase.de Foto: misterQM

Cum-Ex-Skandal: Staatsanwaltschaft klagt Schlüsselfigur an

Stand: 15.03.2021 06:00 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat nach Informationen von WDR, NDR und SZ eine Schlüsselfigur im Cum-Ex Skandal, Sanjay Shah, angeklagt. Der Brite und mutmaßliche Mittäter sollen illegal erbeutetes Steuergeld in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro über deutsche Konten gewaschen haben.

von Massimo Bognanni

Shah hat seine Spuren an vielen Stellen der Erde hinterlassen. Der britische Investmentbanker mit indischen Wurzeln lebt heute in Dubai. Seine Geschäfte hat er jahrelang mit einem Netzwerk von Geschäftsleuten und Firmen über Kontinente und Zeitzonen hinweg betrieben. Und geht es nach der Staatsanwaltschaft Hamburg, muss sich der 50-Jährige nun bald vor einem deutschen Gericht verantworten. Nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" haben die Strafverfolger Shah und sechs mutmaßliche Mittäter aus London und Dubai angeklagt.

Im Zentrum: Die Hamburger Varengold Bank

Die norddeutschen Strafverfolgenden werfen Shah und seinen Partnern laut Anklage vor, mehr als eine halbe Milliarde Euro kriminelles Geld bei Banken deponiert und von dort aus weiterverteilt zu haben. Im Zentrum der Geldflüsse steht demnach unter anderem die Hamburger Varengold Bank, die Shah eine Zeit lang als Mehrheitseigentümer kontrollierte. Geldwäsche heißen solche Delikte im Strafgesetzbuch – und werden mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.

Das Gebäude der Hamburger Generalstaatsanwaltschaft. © NDR
Die Hamburger Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Shah illegal erbeutetes Steuergeld in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro über deutsche Konten gewaschen hat.

Das viele Geld soll aus einem beispiellosen Beutezug gegen dänische und belgische Staatskassen stammen. Shah und seine Kompagnons sollen sich mithilfe von Cum-Ex-Geschäften Dividendensteuern haben erstatten lassen, die zuvor niemand abgeführt hatte. Ein Griff in die Staatskasse. In Dänemark sind Shah und weitere Akteure deshalb bereits angeklagt worden. Den Schaden für Dänemark beziffern die dortigen Fahnderinnen und Fahnder auf rund 1,2 Milliarden Euro. Shah bestreitet die Vorwürfe.

Enorme Summen in Deutschland deponiert

In Deutschland wiederum, davon ist die Staatsanwaltschaft Hamburg überzeugt, soll Shah einen Teil dieser enormen Summe deponiert und weiterverteilt haben. Mit den Steuerbetrugs-Erlösen aus Belgien und Dänemark soll er, zum Teil über Strohmänner, Anteile an der kleinen Hamburger Varengold Bank erworben haben. Im Februar 2016 besaß er laut Anklage rund 80 Prozent des Grundkapitals der Bank, die fortan als Depot der ausländischen Steuermillionen gedient habe.

Da Shah die Bank kontrollierte, soll er die Gelder vom sicheren Hafen in Hamburg aus ungestört von externen Kontrolleuren und Kontrolleurinnen weiterverteilt haben. Unzählige Überweisungen ins Ausland, über etliche Geldhäuser abgewickelt, sollten nach Überzeugung der Anklagenden die wahre Herkunft des Geldes verschleiern. Auf 55 Fälle mutmaßlicher Geldwäsche kommt die Staatsanwaltschaft bei Shah in den Jahren zwischen 2011 und 2015. Vieles, längst nicht alles, soll über Varengold gelaufen sein. Eine britische Bank wird ebenfalls genannt.

Koffer, aus denen Geldscheine quellen. © Panthermedia Foto: Marc Dietrich
AUDIO: Cum-Ex-Skandal: Staatsanwaltschaft klagt Schlüsselfigur an (1 Min)

Shah bestreitet alle Vorwürfe

Auf Nachfrage fügte Shahs deutscher Strafverteidiger am Sonntag den bisherigen Stellungnahmen seines Mandanten nichts hinzu, diese würden weiter gelten. Der 50-jährige Brite bestreitet seit Jahren alle Vorwürfe. "Wir haben nichts Illegales gemacht, wir haben nur Marktopportunitäten ausgenutzt", sagte Shah einer dänischen Börsenzeitung. Strafverfolgende in Deutschland und Dänemark kamen zu einem anderen Schluss.

Nun muss das Landgericht Hamburg entscheiden, ob es die Anklage der Hamburger Staatsanwaltschaft zulässt und eine Hauptverhandlung terminiert. Die Varengold Bank bat auf Anfrage um Verständnis - man werde auch weiterhin keinen Kommentar zu diesem Themenkomplex abgeben. Die Anklage richtet sich nicht gegen aktuelle Verantwortliche der Bank. Auch soll bei dem Geldhaus wegen der mutmaßlichen Geldwäsche kein Vermögen eingezogen werden - anders als bei 16 Personen und Firmen, die die Staatsanwaltschaft auflistet.

Weitere Informationen
Ermittler machen sich auf den Weg zum Bürogebäude der Varengold Bank am Hamburger Fischmarkt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 15.03.2021 | 07:41 Uhr

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