Stand: 17.03.2020 18:58 Uhr

Hamburger Handelskammer warnt vor Insolvenzwelle

André Mücke spricht in der Handelskammer während einer Versammlung. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt
André Mücke, Vizepräses der Handelskammer, fordert von der Politik unter anderem den Verzicht auf die Lohnsteuer. (Archivbild)

Die verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus treffen die Hamburger Wirtschaft hart und gefährden nach Ansicht der Handelskammer viele Unternehmen in ihrer Existenz. Dienstleistungen wie Messebau, Veranstalter und Events, Reiseveranstalter und Touristik, die Verkehr- und Logistikbranche, Hotels und Gaststätten, ambulantes Gewerbe und Schausteller, Einzelhandel und der Großhandel seien besonders betroffen, teilte die Kammer am Dienstag mit.

Handelskammer fordert staatlichen Sonderfonds

Vizepräses André Mücke sagte, das Wichtigste für die Hamburger Unternehmen seien unbürokratische Liquiditätshilfen und Schadensbegrenzung des entgangenen Umsatzes. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Corona-Krise zu einer Insolvenzwelle und der aktuelle Schock zu einer dauerhaften Schwächung der Wirtschaftsstrukturen führt." Die wichtigste Maßnahme sei nach Ansicht der Kammer die Schaffung eines staatlichen Sonderfonds, mit dem vor allem kleinen und Kleinstunternehmen und besonders betroffenen Branchen mit Überbrückungsgeldern geholfen wird.

Kultur- und Tourismustaxe nutzen

"Entscheidend ist bei diesem Sonderfonds die unbürokratische Abwicklung", sagte Mücke. "Personelle und technische Kapazitäten müssen in den Behörden aufgestockt werden, um alle Anträge so schnell wie möglich zu bearbeiten". Die Auswirkungen der Krise müssten so gestaltet sein, dass Unternehmen sie kurz- und langfristig schultern könnten. Die Kultur- und Tourismustaxe, die Projekten aus Kultur, Tourismus und Sport vorbehalten sei, könne als weitere Sonderleistung genutzt werden. 

Handelskammer setzt Beitragszahlungen aus

"Wir fordern, dass die Politik den Verzicht auf die Lohnsteuer prüft", erklärte Mücke. Diese Maßnahme würde seiner Ansicht nach für eine wichtige Entlastung der Unternehmen sorgen und könne unbürokratisch und schnell umgesetzt werden. Weitere mögliche Maßnahmen seien die Streckung des Arbeitgeberanteils der Sozialversicherungsbeiträge, die Stundung oder zeitliche Streckung von Mieten und ein Erlass von Gebühren für die Nutzung von Flächen im öffentlichen Raum. Die Handelskammer selbst werde die Beitragszahlungen der Unternehmen zunächst für einen Monat aussetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.03.2020 | 19:00 Uhr

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