Stand: 12.03.2020 12:35 Uhr

Coronavirus: Hamburger Dom fällt aus

Das Riesenrad auf dem Hamburger Dom. © picture alliance/Markus Scholz/dpa Foto: Markus Scholz
Der Frühlingsdom fällt aus! Wegen des Coronavirus kann das beliebte Volksfest auf dem Heiligengeistfeld nicht stattfinden.

Der Hamburger Frühjahrsdom wird wegen des sich ausbreitenden Coronavirus abgesagt. Das sagte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Donnerstag in Hamburg. Eine entsprechende Allgemeinverfügung stand zunächst noch aus. Der Hamburger Dom gilt als das größte Volksfest in Norddeutschland. Im vergangenen Jahr hatten rund zweieinhalb Millionen Menschen den Frühlingsdom besucht. Er sollte vom 27. März bis zum 26. April stattfinden.

Für Schausteller eine Katastrophe

Wirtschaftlich eine Katastrophe, sagt Wilfried Thal, Präsident des Hamburger Schaustellerverbands. Denn für viele seiner Mitglieder ist der Hamburger Frühjahrsdom traditionell die erste große Veranstaltung nach drei Monaten Winterpause und damit auch die erste Einnahmequelle. Einfach nur verschieben, das kommt für die Schaustellerinnen und Schausteller nicht in Frage. Denn in dieser Branche ist der Fahrplan für das ganze Jahr schon von langer Hand geplant. Einfach woanders aufbauen - das geht nicht. Die ersten Mitglieder wollen nun Hartz-IV beantragen, sagt Thal. Ob es in der Corona-Krise andere Fördertöpfe oder Hilfsfonds für Kleinunternehmen gebe, werde gerade geprüft.

Weitere Veranstaltungen werden abgesagt

Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen werden von den Hamburger Behörden wegen des Coronavirus untersagt. Das hat die Gesundheitsbehörde am Mittwoch mitgeteilt. Kultursenator Carsten Brosda erwartet, dass die angekündigte Allgemeinverfügung der Gesundheitsbehörde am heutigen Donnerstag im Laufe des Tages in Kraft tritt. Damit wären dann zum Beispiel alle Theateraufführungen und Konzerte mit mehr als 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verboten. Veranstaltungen mit weniger Besuchenden sind aber nicht automatisch erlaubt, sagte der Senator gestern Abend bei NDR 90,3. Hier werde es weiter Risikobewertungen für jeden Einzelfall geben. Auch Veranstaltungen mit nur 50 oder 100 Menschen könnten dann abgesagt werden.

Hafengeburtstag könnte ebenfalls ausfallen

Die Regelung soll zunächst bis zum 30. April gelten. Die Behörde will so erreichen, dass es auch weiterhin keine Infektionen in Hamburg gibt, die nicht zur Quelle zurückverfolgt werden können. Bislang ist das bei allen bekannten Infektionen noch gegeben. Wäre eine Verlängerung nötig, stünde auch der 831. Hafengeburtstag mit einer Million Besuchern in Frage. Sein Domreferat prüfe die Frage bereits, sagte Westhagemann. Er rechne persönlich nicht damit, dass sich die Lage bis zum 30. April so weit verändere, dass Großveranstaltungen wieder zugelassen werden könnten. Das sei aber Sache der Gesundheitsbehörden. Die Wirtschaftsbehörde setze die Maßnahmen lediglich um. Von dem bevorstehenden Verbot werde es keine Ausnahmen geben.

Tschentscher äußert sich zur Lage in Deutschland

Hamburg werde in den nächsten Monaten vor große Herausforderungen gestellt, sagt Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Großveranstaltungen abzusagen und Kinder zu Hause zu lassen, wenn sie in einem Risikogebiet im Urlaub waren, sei das Gebot der Stunde. Weitere Maßnahmen würden sicher bald erforderlich. Tschentscher fordert alle Hamburgerinnen und Hamburger auf, die Empfehlungen der Behörden zu befolgen und verantwortungsvoll zu handeln. Wichtig sei, die Versorgung durch Krankenhäuser aufrecht zu erhalten. Tschentscher bittet die Hamburger ausdrücklich darum, weiter Blut zu spenden, sofern man gesund ist. Am Mittwoch hatte Tschentscher an der Corona Virus Task Force im UKE teilgenommen. Heute will er sich bei der Berliner Ministerpräsidenten-Konferenz für ein zwischen Bund und Ländern abgestimmtes Vorgehen einsetzen. Vom Bund erwartet Tschentscher Unterstützung bei der Beschaffung notwendiger medizinischer Produkte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.03.2020 | 13:00 Uhr

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