Stand: 17.03.2020 07:01 Uhr

Brosda: "Keine Sekunde wird verschwendet!"

Die Corona-Krise trifft die Hamburger Kulturszene hart. Schon jetzt bangen viele Künstlerinnen und Künstler um ihre Existenz. Nach einem Krisengespräch mit Hamburgs Theaterleuten versprach Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Montag "sehr, sehr schnelle Hilfe". Die Kulturbehörde denke über einen Sonderfonds nach, sagte Brosda im Hamburg Journal.

Wie will die Hamburger Kulturbehörde den kleinen und großen Theatern helfen?

Carsten Brosda: Ganz klar ist für mich: Wenn wir behördlicherseits Kultureinrichtungen schließen - und das haben wir ja mit der Allgemeinverfügung vom Wochenende getan - dann haben wir auch dafür zu sorgen, dass die Häuser in dieser veränderten Situation finanziell klarkommen. Dazu müssen wir aber genau wissen, welches die konkreten Probleme sind und darauf dann schnell reagieren.

Wann wird es denn eine Entscheidung für das Notfallprogramm geben? Man spürt, wenn man mit Künstlerinnen und Künstlern spricht, dass die Menschen Existenzängste haben. Die wissen nicht, wie sie ihre Miete zahlen sollen.

Brosda: Ja, aber ich bitte Sie auch im Blick zu behalten, in welcher Geschwindigkeit wir uns hier gerade bewegen. Wir haben gestern eine Allgemeinverfügung erlassen. Wir versuchen, in rasender Geschwindigkeit, Instrumente zu entwickeln. Aber es geht in einem Staat wie Deutschland und jedem anderen Staat nicht so, dass einfach jemand sagt: "Da fließt jetzt Geld hin." Es wird sehr, sehr schnell gehen. Wir können auch unbürokratisch helfen, indem die Theater schon jetzt auf die Förderung zugreifen können, die erst in einigen Monaten gekommen wären. Wir können auch Förderungen für Projekte auszahlen, auch wenn die jetzt gar nicht realisiert werden können. Alle diese Dinge machen wir jetzt schon.

Wie kann den Künstlerinnen und Künstlern geholfen werden, die noch nicht gefördert werden?

Brosda: Bei den Solokünstlerinnen und -künstlern, die in Schieflage geraten, müssen wir die Instrumente der Grundsicherung, die der Sozialstaat hergibt, so weit öffnen, dass es möglich wird, eine schnelle und unbürokratische Hilfe zu schaffen. Ideen wie die Schaffung eine bedingungslosen Grundeinkommens würde viel, viel zu lange dauern. Wir brauchen eine Infrastruktur, die jetzt funktioniert. Und daran arbeiten viele Menschen hier und auch in Berlin unter Hochdruck.

Gibt es einen Zeitplan?

Brosda: Wir können keine Zeitabläufe nennen, aber es wird keine Sekunde verschwendet. Wir machen gerade de facto nichts anderes, als uns um die Frage zu kümmern, wie wir die wirtschaftlichen Folgen der Entscheidung von gestern auffangen. Wir bewegen uns in einem Tempo, bei dem man sagen muss: Wir müssen die Dinge, die wir machen, auch richtig machen. Morgen sprechen wir mit der Musikwirtschaft, den Kreativunternehmen und den Stadtteilkulturzentren, die ja keine Unternehmen, sondern Vereine sind und vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Die Gespräche heute fanden in einer angespannten Grundsituation statt, aber in einem Willen, das hinzubekommen. Wenn wir uns das bewahren, wird uns das auch gelingen, dass wir alle durch diese schwierige Zeit kommen. Das ist das Ziel.

Das Interview führte Annette Matz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.03.2020 | 19:00 Uhr

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