"Corona-Tiere": Erst geliebt, dann im Tierheim

Stand: 12.07.2021 07:20 Uhr

Sie werden in Wäldern, Raststätten oder am Bahnhof ausgesetzt - Haustiere, zum Beispiel zu Ferienbeginn. Tierheime berichten jedes Jahr von einer Zunahme an abgegebenen oder gefundenen Tieren. Dieses Mal ist es aber anders - durch Corona hat sich die Situation noch verschärft.

Das orange Hunde-Geschirr der Jack-Russel-Hündin Polly ist das einizige, was ihr aus ihrem alten Leben geblieben ist. Die fünfjährige Hündin ist Ende Juni am Hauptbahnhof ausgesetzt worden. Auch wenn man es ihr nicht immer anmerkt, für sie hat sich alles verändert. "Es ist für jedes Tier furchtbar, wenn es irgendwo hinterlassen wird. Es bedeutet für das Tier, es hat nicht nur seine Bezugsperson verloren, sondern es hat auch sein Zuhause verloren. Das heißt: Alles, was bisher Sicherheit gegeben hat, ist weg", sagt Urte Inkmann, tierärztliche Leiterin des Hamburger Tierschutzvereins. Das Tier würde dann ins Tierheim gebracht und müsse sich erstmal neu einfinden.

Hunde aus dem Welpenhandel

In den vergangenen Wochen hat der Hamburger Tierschutzverein mehr als 70 Tiere in Obhut genommen. Der Anstieg hat auch mit Corona zu tun. "Bei den Hunden ist die Situation, dass viele abgegeben wurden, aber auch dass viele aus dem Welpenhandel, der für Corona produziert hat, dass also dort viele Händler aufgeflogen sind", sagt Inkmann. Diese Tiere landeten nun auch im Tierheim. "Wir blicken mit sehr viel Sorge auf die nächsten Monate weil wir nicht wissen, was auf uns zu kommt", sagt Inkmann. Sowohl im Hundebereich als auch bei Katzen und Kleintieren rechnet das Tierheim "mit dem Schlimmsten".

Tierschützer fordern Registrierungspflicht

Bundesweit berichten die ersten Tierheime bereits von Aufnahmestopps. Hier arbeiten die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen am Limit. In letzter Zeit wurden besonders viele Katzen abgegeben, so wie Leni und ihre drei Katzenjungen. Sie sind seit Mitte Juni hier. "Die wurden tatsächlich gefunden", sagt René Will, Tierpfleger und Leiter des Katzenhauses. Wegen Fällen wie diesen fordern Tierschutzorganisationen eine Registrierungspflicht, auch bei Kleintieren wie Kaninchen. Im Tierheim ist eins, das in einem Einkaufskorb ausgesetzt wurde. "Das Aussetzen von Tieren ist ja gesetzlich verboten. Das heißt, dass mit einer Kennzeichnung die Tiere gechipt wären", sagt Daniela Schneider von Vier Pfoten Deutschland. Damit wären dann die Daten der Halter und Halterinnen hinterlegt.

Für Jack-Russel-Hündin Polly sucht der Hamburger Tierschutzverein nun nach einem neuen Zuhause, einem für immer.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.07.2021 | 19:30 Uhr

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