Sendedatum: 11.05.2020 10:00 Uhr  - NDR 90,3

Corona: Leonhard hält an schrittweisen Lockerungen fest

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard © NDR Foto: NDR
Hamburgs Sozialsenatorin Leonhard beantwortete eine Stunde lang Fragen von Hörerinnen und Hörern bei NDR 90,3.

Wie lange müssen Eltern auf die Betreuung ihrer Kinder verzichten? Sind Erzieherinnen und Erzieher gut genug geschützt? Und: Wann machen die Hamburger Seniorentreffs wieder auf? Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) war eine Stunde lang bei NDR 90,3 zugeschaltet und hat live Fragen zum Thema Corona beantwortet.

Kita-Start: Schrittweise Lockerungen bleiben bestehen

Die Kitas in Hamburg machen nur schrittweise wieder auf, wie Leonhard bekräftigte. Die Sozialsenatorin meint damit den am Freitag verkündeten Plan, ab dem 18. Mai zunächst Eltern von Fünf- und Sechsjährigen die Kitabetreuung zu ermöglichen. Ausnahmen könne es dennoch geben, sagte Leonhard und bezog sich dabei auf folgende Nachricht einer NDR 90,3 Hörerin: "Ich stehe seit acht Wochen jeden Morgen um 5 Uhr auf, muss neben drei Kindern auch noch einen Vollzeitjob machen, gehe langsam psychisch und körperlich vor die Hunde." Hier sei es eventuell möglich, die Notbetreuung in Anspruch zu nehmen, sagte Leonhard. Der Grund: Der Beruf des Ehemanns - die Arbeit im Gesundheitswesen - sei systemrelevant. Inwiefern Ausnahmen möglich seien, müssten betroffene Eltern mit der jeweiligen Kita besprechen.

Schutzvisiere für Krippen vereinzelt möglich

NDR 90,3 Hörerinnen und Hörer wollten zudem wissen, warum Erzieherinnen und Erzieher nicht durch beispielsweise Schutzvisiere besser geschützt würden. Eine gute Grundreinigung der Kita, das Desinfizieren sowie Händewaschen blieben auch nach Empfehlung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entscheidend. Schutzvisiere würden bei Bedarf von einzelnen Einrichtungen bereits eingesetzt werden - zum Beispiel in Krippen für Kinder unter drei Jahren. In anderen Kitas, die mit Kindern viel draußen unterwegs seien, ergäben Schutzvisiere hingegen keinen Sinn.

Ehrenamt: Beschränkungen bis voraussichtlich Herbst

Wann ist soziales Engagement in zum Beispiel Kitas wieder möglich? Das wollten einige NDR 90,3 Hörerinnen und Hörer von der Sozialsenatorin wissen. Dies könne man nicht auf alle Zeiten verbieten, sagte Leonhard. Da allerdings meist ältere Menschen in Kitas ehrenamtlich arbeiteten, gelte die Pause noch voraussichtlich bis Herbst: "Diese engen, auch sehr liebevollen 'Eins-zu-Eins-Situationen' sind einfach im Moment leider ein zu großes Risiko für diese Menschen". Möglichweise könne man nach den Sommerferien bei ersten Angeboten mit genug Abstand wieder anfangen. Dafür müsse man allerdings mehr über konkrete Verbreitungswege und mögliche Therapien wissen.

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Jugendtreffs: Hoffnung auf baldige Öffnung

Jugendtreffs und andere Nachmittagsangebote soll es laut Leonhard für Kinder und Jugendliche in Hamburg bald wieder geben. Die Sozialsenatorin betonte, sie hoffe darauf, schon bald grünes Licht geben zu können. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es da sehr bald losgehen kann. Da gibt es wirklich ganz viele Ideen, wie man mit Nutzung von Außengeländes, kleineren Gruppen auch festen Größen und Abstandsregeln ganz viel ermöglichen kann."

Seniorentreffs: Konzepte für neue Angebote entscheidend

Auch nach der Wiedereröffnung der Hamburger Seniorentreffs, die es in allen Bezirken gibt, wurde die Sozialsenatorin gefragt. Die Frage sei sehr verständlich, betonte die Sozialsenatorin: "Gerade Menschen, die nicht mehr im Berufsleben stehen, brauchen solche Kontakte". Zwar werde man das enge Zusammensein - wie zum Beispiel das Kartenspielen an einem Tisch - noch weiter einschränken. Aber viele Seniorentreffs seien gerade dabei, Konzepte für neue Angebote zu entwickeln; kontaktarm und mit Masken.

Erfolge nicht achtlos beiseite Wischen

Leonhard betonte letztlich die Bedeutung von Schutzmaßnahmen: "Wir haben uns diese Regeln als Gesellschaft ja nicht umsonst auferlegt. Als die Politik Kontaktbeschränkungen beschlossen hat, standen wir unter dem Eindruck der Bilder aus den europäischen Nachbarstaaten Italien, Italien, Frankreich, und Spanien". Deutschland habe sich durch Corona-Beschränkungen Gesundheitsprävention erkauft. Es komme nicht von ungefähr, dass die Ansteckungsquote so gering sei. All das solle man nicht achtlos beiseite wischen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.05.2020 | 10:00 Uhr

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