Sendedatum: 28.06.2020 19:30 Uhr  - Hamburg Journal

Corona-Krise dezimiert Blutspende-Reserven

Normalerweise ist der Kühlraum voller: Bei vier Grad Celsius lagert das Blut - abholbereit für den Transport in Kliniken und Arztpraxen. Momentan sind in den Metallregalen nur noch wenige weiß-rote Verpackungen übrig. Vor ein paar Wochen sah es beim Blutspendedienst Nord-Ost des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) allerdings noch dürftiger aus. "Seit Juni sind wir wieder einigermaßen in dem Bereich, den wir vor der Corona-Krise hatten", sagt Jürgen Ringwald, Leiter des DRK-Institut für Transfusionsmedizin. "Aber trotz aller Anstrengungen liegen wir immer noch circa zehn Prozent darunter." Vor Corona schob der Roboter im Schnitt mehr als 500 Blutspenden pro Tag ins Labor, momentan sind es etwa 450. In der Krisenzeit waren es sogar gerade mal 200 bis 300.

Blutspenden werden dringend benötigt

Hier in Lütjensee bereiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das in Hamburg und Schleswig-Holstein gespendete Blut auf. "Wir erfassen hier die Blutspenden, die am Vorabend von unseren Roboter-Teams eingelagert wurden", sagt Alexander Kuty, Schichtleiter in Bereich Herstellung. Das Blut muss innerhalb von 24 Stunden verarbeitet werden. Mit 3.500 Umdrehungen pro Minute trennt die Zentrifuge die Blutbestandteile voneinander: rote Blutkörperchen, Plasma und Blutplättchen. Letztgenannte sind wichtig für Krebspatienten und nur vier Tage haltbar. Deshalb werden dringend Blutspenden gebraucht: auch in Ferien- und Corona-Zeiten.

Blutspende: Keine Corona-Antikörpertests nötig

Im UKE hat Karin Heitmann gerade Blut gespendet - genauer: Blutplättchen, also die, die nur kurz haltbar sind. Es ist ihre 322. Spende. "Die Mitarbeiter sind nach wie vor aufmerksam, achten auf die Sicherheitsabstände, man bekommt seine Maske", sagt Heitmann. "Man ist genauso gut aufgehoben wie vorher auch, ich habe da großes Vertrauen."

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Normalerweise ist der DRK-Kühlraum voller: Bei vier Grad Celsius lagert das Blut - abholbereit für den Transport in Kliniken und Arztpraxen.

Wissenschaftler um Sven Peine haben von April bis Juni mehr als 900 Blutspenden auf Coronaviren untersucht. Ergebnis: Weniger als ein Prozent hatte Antikörper gegen Corona. "Die Antikörpertests auf Corona sind für das Blut nicht nötig", sagt Sven Peine vom Institut für Transfusionsmedizin am UKE. "Das Coronavirus ist ein Atemwegsinfekt und nur bei den Allerschwerstkranken findet man noch Viren im Blut." Damit könne ein Blutspender oder eine Blutspenderin das Virus nicht übertragen. "Wer zum Spenden kommt ist ja gesund, hat keine Krankheitssymptome, ist damit auch kein Überträger und darum sind keine Antikörpertests notwendig", ergänzt Peine. Untersucht werden die Blutspenden unter anderem auf Hepatitis, HIV und das West-Nil-Virus.

Zweite Infektionswelle Gefahr für Blutversorgung

Eine weitere Gefahr für die Blutversorgung könnte eine zweite Infektionswelle sein. "Kommt ein regionaler Lockdown könnten Blutspendetermine wieder schwerer durchführbar sein", sagt Ringwald. "Andererseits haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Leute mehr Zeit für die Blutspende haben, wenn sie nicht zur Arbeit gehen können." Wie es genau kommen werde, weiß Ringwald nicht und die Kliniken müssten dann relativ flexibel reagieren. Denn der Kühlraum soll bald wieder voll sein: Um Patienten in Hamburg und Schleswig-Holstein gut versorgen zu können.

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Hamburg Journal | 28.06.2020 | 19:30 Uhr

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