Corona-Krise beim HVV: Rund 250 Millionen weniger Einnahmen

Stand: 21.10.2020 19:36 Uhr

Auch beim Hamburger Verkehrsverbund (HVV) sorgt die Corona-Krise für ein Riesen-Finanzloch. Der HVV erwartet für dieses Jahr eine Viertelmilliarde Euro weniger Einnahmen als geplant.

Eigentlich hatte der HVV mit Erträgen von 917 Millionen Euro gerechnet. Nach einer Prognose für die Hamburgische Bürgerschaft werden es nur 660 Millionen - es fehlen also 257 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr fehlen 229 Millionen Euro, zusätzlich fehlt der eigentlich geplante Zuwachs von drei Prozent in diesem Jahr. Den großen Fehlbetrag müssen die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler ausgleichen.

VIDEO: Die Corona-Probleme beim HVV (1 Min)

Ein Drittel weniger Fahrgäste

Nach den bisher streng gehüteten Zahlen erwartet der HVV dieses Jahr einen Rückgang der Fahrgastzahl um 32 Prozent. Und das, obwohl der Januar und der Februar noch normal ausgelastet waren. Ab März aber knickte die Fahrgastzahl durch die Pandemie ein - im April um bis zu 77 Prozent.

Bleibt das Minus dauerhaft wegen Homeoffice?

Besonders brisant: Der rot-grüne Senat will Bus und Bahn mit dem sogenannten Hamburg-Takt massiv und teuer ausbauen. Aber was, wenn Fahrgäste dauerhaft wegbleiben, etwa weil viel mehr Menschen künftig im Homeoffice arbeiten? Der HVV erklärte, es werde "noch einige Zeit dauern", bis die Fahrgastzahlen wieder an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen. Am Donnerstag beantragt der Senat im Verkehrsausschuss eine HVV-Fahrpreiserhöhung von 1,4 Prozent ab dem neuen Jahr.

Behörde setzt auf Hilfe vom Bund

Die Corona-bedingten Einnahmeausfälle im öffentlichen Nahverkehr gebe es nicht nur in Hamburg, teilte die Verkehrsbehörde am Mittwoch mit. "Der Bund hat für diese Situation zusätzliche Gelder in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bundesweit bereit gestellt, mit denen die ÖPNV-Unternehmen unterstützt werden." Die Mindereinnahmen müssten also nicht ausschließlich durch Hamburger Steuermittel bezahlt werden. Laut Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) kann man die zu erwartende Lücke etwa zur Hälfte mit Zuschüssen des Bundes stopfen.

Der Vorsitzende des Bundes der Steuerzahler Hamburg, Lorenz Palte, erklärte, die öffentlichen Unternehmen verstärkten den Effekt der wegbrechenden Steuereinnahmen noch, denn auch dort habe Corona heftige Spuren hinterlassen. "Die Öffentlichkeit braucht Transparenz darüber, in welchem Ausmaß die öffentlichen Unternehmen gestützt werden müssen", forderte er.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.10.2020 | 07:00 Uhr

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