Stand: 19.05.2020 20:18 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Krise: Weltweites Auftragsloch im Schiffbau

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Bei den Werften und ihren Zulieferern arbeiten mehr als 100.000 Beschäftigte.

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) hat am Dienstag in einer Online-Konferenz seinen Jahresbericht für 2019 vorgestellt und über die aktuelle Lage der Branche berichtet. Um durch die Corona-Krise zu kommen, will er öffentliche Aufträge vorziehen und Anreize für ökologischen Schiffbau setzen. Der VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken sprach in Bezug auf die Corona-Krise von einem weltweiten Auftragsloch, das teilweise erst mit Verzögerung bei den Schiffbauern ankommt. Es sei für längere Zeit mit einer äußerst geringen Nachfrage nach Schiffen aller Art zu rechnen. Vielen Betrieben werde die Arbeit ausgehen. In Europa sei ohne Gegenmaßnahmen ein vorübergehender Rückgang von 50 bis 75 Prozent möglich.

Weniger Aufträge aus der Kreuzfahrt

Wegen des Coronavirus liegt beispielsweise die Kreuzfahrtbranche derzeit brach. Reeder versuchen hier Aufträge für neue Schiffe nach hinten zu verlegen oder ganz abzusagen. Bis 2027 sollten fast 200 neue Kreuzfahrtschiffe gebaut werden. Jetzt wollen die Reedereien bestellte und selbst fast fertige Schiffe nicht ohne Weiteres abnehmen. Das betrifft Werften wie die Meyer Werft in Papenburg und die ostdeutschen Werften in Wismar, Rostock und Stralsund, die riesige Kreuzfahrtschiffe bauen. Gerade der Bau von Passagierschiffen war in Europa in den vergangenen Jahren aber ein Jobmotor und hat Rückgänge in anderen Bereichen aufgefangen. Bei Frachtschiffen wird sich die Lage nach Angaben von VSM dadurch verschärfen, dass Werften in Asien zusätzliche Rabatte bieten und hohe staatliche Subventionen erhielten.

Marine- und Forschungsschiffe früher beauftragen

Wenn öffentliche Auftraggeber jetzt zum Beispiel Bestellungen für Marine- und Forschungsschiffe vorziehen, könne das der Branche helfen, so der Schiffsbau-Verband. Genauso ein europaweites Förderprogramm, dass Anreize für neue, umweltfreundlichere Schiffe schafft. Als Beispiel nennt Lüken die Modernisierung der durchschnittlich 60 Jahre alten deutschen Binnenschiffflotte.

Viele Beschäftigte in Kurzarbeit

Inklusive der Zuliefererbetriebe hängen laut Verband bundesweit rund 200.000 Jobs an Schiffbau und Meerestechnik. Mehr als 7.000 Beschäftigte auf den Werften sind bereits in Kurzarbeit, ein Drittel der Stammbelegschaften. Vor dem Verband hatten bereits die IG Metall Küste sowie die Wirtschaftsminister und -senatoren der fünf Küstenländer auf die schwierige Situation der Branche hingewiesen und von der Bundesregierung konkrete Maßnahmen zur Stabilisierung des Schiffbaus gefordert. Zudem hatten die Bremer Lürssen-Werft und German Naval Yards in Kiel eine Zusammenarbeit beim Bau von Marineschiffen angekündigt.

Auch Reeder klagen über Umsatzrückgang

Die Umsätze der Reedereien seien seit Beginn der Corona-Pandemie um rund ein Drittel zurückgegangen, so der Verband Deutscher Reeder (VDR). Nach einer Blitzumfrage hat etwa jedes zweite Unternehmen bereits Liquiditätsprobleme. "Wesentliche Teile der deutschen Handelsflotte sind in ihrer Existenz gefährdet", sagte VDR-Präsident Alfred Hartmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.05.2020 | 13:00 Uhr

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