Stand: 23.05.2020 21:24 Uhr

Corona-Krise: Hamburger Start-ups vor dem Aus

Ob für Pralinen oder für den HSV: Seit zwei Jahren produziert der Hamburger Start-up-Gründer Holger Kehr mit seinem Unternehmen "Verpackungswelt" für die unterschiedlichsten Bereiche Verpackungen. Mit der Corona-Krise kam der große Einbruch. Kunden mussten ihre Geschäfte schließen und brauchten plötzliche keine Verpackungen mehr für ihre Produkte oder Dienstleistungen. Um zumindest etwas Geld zu verdienen, produziert Kehr nun aus dem Homeoffice heraus Corona-Schutzmasken aus Stoff. Damit sein Start-up überlebt, braucht er jedoch mehr. Sein Unternehmen befindet sich noch in der Gründungsphase und hat im vergangenen Jahr keinen Gewinn erwirtschaftet. Deshalb erhält Kehr auch keine Hilfen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Hunderte Start-ups in Hamburg gefährdert

So wie Kehr, geht es vielen anderen: In Hamburg droht etwa 500 Jungunternehmen wegen der Corona-Krise der Untergang. Sie haben zwar Überbrückungsgeld aus der Hamburger Corona-Soforthilfe beantragt. Doch um weiter zu überleben, benötigen sie einen staatlichen KfW-Kredit. Diesen erhalten in der Regel aber nur Unternehmen, die in der Vergangenheit bereits Gewinne ausweisen konnten.

Keine Hilfsgelder für existierende Produkte

Ein Mann geht vor dem Bankgebäude in Frankfurt am Main am Logo der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vorbei. © dpa-Bildfunk
Kredite von der staatlichen Förderbank KfW sind für viele Hamburger Jungunternehmer nur schwer zu bekommen. (Symbolbild)

Hilfsgelder der stadteigenen Investitions- und Förderbank (IFB) könnten ein Rettungsanker sein. Doch sie wurden bislang nur 50 mal bewilligt. Die Wirtschaftsbehörde erklärt dazu auf Anfrage des NDR, es komme bei der Förderprüfung bereits ein vergleichsweise weitgefasster Innovationsbegriff zur Anwendung. Etablierte Geschäftsprozesse, wie ähnliche bereits am Markt existierende Produkte, würden definitiv nicht gefördert.

Jüngste Unternehmen haben größte Probleme

Doreen Hotze, die Leiterin des Handelskammer-Gründungszentrums geht davon aus, dass alle, die in den vergangenen zwei Jahren ein Unternehmen gegründet haben, vor großen Problemen stehen. Mehr als die Hälfte könnte die Corona-Pandemie nicht überleben. Noch dramatischer sehe die Situation für Unternehmen aus, die erst Anfang April oder Anfang Mai dieses Jahres gegründet wurden, so Hotze.

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Hamburg Journal | 23.05.2020 | 19:30 Uhr

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