Stand: 26.09.2020 08:40 Uhr

Corona-Kontaktdaten: Bar-Besucher in die Pflicht nehmen?

13 Menschen haben sich in der Schanzenbar "Katze" mit dem Corona-Virus angesteckt. In der Shishabar "Le Vou" mindestens 24. Die Betroffenen zu finden, war für die Hamburger Gesundheitsämter ein Kraftakt. Auch, weil viele Bar-Besucher Ihre Kontaktdaten nicht richtig hinterlassen haben. Ein Unding, findet Frauke Reinig. Jörn Straehler-Pohl meint, die Behörden müssten den Kneipen-Gängern entgegenkommen. Ein Streitgespräch.

Jörn Straehler-Pohl: Für mich war das in dieser Woche ein bisschen viel der Moralkeule gegen Kneipen und Barbesucher, Moralkeule gegen die Leute, die keine vollständigen Namen und Adressen angegeben haben, sondern sich lieber "Lucky Luke" nennen.

Frauke Reinig: Ich bin der Meinung, man kann in Pandemie-Zeiten durchaus verlangen, dass, wenn die Menschen freiwillige Freizeitangebote wie Restaurants, Bars oder Kneipen nutzen, dass sie dann dort auch ihre Kontaktdaten hinterlegen. In Pandemie-Zeiten ist das einfach nötig und wichtig. Das muss gemacht werden.

Jörn Straehler-Pohl: Ja, aber es passiert eben nicht. Und das ist das Problem. Und wenn etwas nicht passiert, dann kann man natürlich versuchen, die Menschen zu ändern über Appelle und Appelle und Appelle. Ich glaube, dass ist nicht zielführend.

Frauke Reinig: Ich glaube, wenn die Menschen das nicht tun, dann wird es sogar komplizierter und nicht leichter. Es bedeutet nämlich, das jetzt immer mehr Bars und Restaurants auf die QR-Codelösung umschwenken, bei der man dann übers Handy seine gesamten Daten auf einen Server hochladen muss. Und das kann ja nicht im Sinne derer sein, die ihre Daten eigentlich gar nicht angeben möchten.

Jörn Straehler-Pohl: Aber auch das spricht aus meiner Sicht für eine Bierdeckel-Lösung. Im Prinzip so, wie wenn man jemanden in der Kneipe kennenlernt, man tauscht sich aus, und man hinterlässt nur seinen Vornamen und seine Telefonnummer und auch nicht seine komplette Adresse. So müsste für mich im Prinzip eine Kontaktnachverfolgung aussehen: auf einem Bierdeckel; Vorname, Telefonnummer. Das reicht völlig aus.

Frauke Reinig: Das mag sein. Ich glaube aber nicht, dass das Problem löst, weil die Menschen, die ihre Daten nicht hinterlegen wollen, die lassen auch nicht Ihren Namen und Ihre Telefonnummer da. Und ich verstehe diese diese Haltung auch nicht. Wenn ich eine Pizza bestelle, gebe ich ja auch meine komplette Adresse und alles an. Und wenn ich mich in Social Media anmelde, bei Facebook, Instagram oder so, dann gebe ich auch noch viel mehr von mir Preis und sogar auf internationalen Servern, die dann viel einsehbarer sind.

Jörn Straehler-Pohl: Ich verstehe diese Haltung ehrlich gesagt auch nicht. Aber das ist nicht der Punkt. Sie ist einfach mal da und da nur mit dem Finger auf diese Bar und Kneipenbesucher zu zeigen, das funktioniert aus meiner Sicht eben auch nicht.

Frauke Reinig: Angesichts der steigenden Infektionszahlen muss man allerdings sagen: Vielleicht ist diese ganze Diskussion über Kontaktlisten auch bald hinfällig. Wenn nämlich alle Kneipen, Bars und Restaurants wieder schließen müssen, dann müssen wir auch nirgendwo mehr unsere Kontaktdaten hinterlegen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 26.09.2020 | 08:40 Uhr

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