Stand: 04.05.2020 06:03 Uhr

Corona: Hamburgs Schulen fahren langsam hoch

Ein Zettel mit der Aufschrit "Immer ein Vietrklässler Abstand" liegt auf dem Fußboden.
In Hamburg startet die Schule langsam wieder, natürlich mit Corona-bedingten Abstandsregeln.

"Immer ein Viertklässler Abstand!" - Mit diesem Satz erinnert die Grund- und Stadtteilschule Alter Teichweg im Hamburger Stadtteil Dulsberg die Schülerinnen und Schüler an die nötige Distanz. Denn vergangene Woche ging für die zehnten Klassen der Präsenzunterricht wieder los. In dieser Woche stehen die ersten schriftlichen Abschlussprüfungen an. Ab heute ziehen dann auch die vierten Klassen der Grundschulen sowie die sechsten und elften Klassen der Gymnasien sowie die zwölften der Stadtteilschulen nach.

Nur wenig regulärer Unterricht

Aufgrund der Corona-Krise gab es in diesem Jahr nur wenig regulären Unterricht. Das ist ein Problem, weil rund 3.300 Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der sechsten Klasse zum Schulhalbjahr den Hinweis erhalten haben, dass ihre Versetzung gefährdet ist. In der sechsten Klasse dürfen die Schülerinnen und Schüler keine fünf in den Hauptfächern haben. Haben sie eine, müssen sie vom Gymnasium auf eine Stadtteilschule wechseln, werden also abgeschult, wie sich das nennt.

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Schulbehörde will nicht aufs Abschulen verzichten

In den vergangenen Jahren hatten sich viele Schülerinnen und Schüler tatsächlich noch einmal sehr angestrengt, so dass letztendlich nur 800 bis 900 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klassen abgeschult wurden. "Die Elternkammer wünscht sich eigentlich, dass die Entscheidung, ob in eine Stadtteilschule abgeschult werden muss oder ob auf dem Gymnasium geblieben werden kann, ausgesetzt wird, bis wir wieder eine vernünftige Prüfungssituation herstellen können", sagt Marc Keynejad, Vorsitzender der Elternkammer.

Bislang lehnt die Schulbehörde den Vorschlag ab, auf eine Abschulung nach der sechsten Klasse in den Gymnasien in diesem Jahr zu verzichten. Verzichte man jetzt auf das Abschulen, bedeute das für die Kinder, dass sie auf dem Gymnasium bleiben müssen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Sonntag im Gespräch mit dem Hamburg Journal. "Aus Sorge um die Schülerinnen und Schüler, müssen wir ihnen aber sagen: Du bist auf einer anderen Schule besser aufgehoben und dort nicht überfordert." Rabe geht davon aus, dass das zwischen 800 und 900 Schülerinnen und Schüler betreffen wird. "Es wird nicht schlimmer werden als in anderen Jahren", so Rabe.

Elternkammer übt Kritik

Die Hamburger Elternkammer sieht das etwas anders. "Der Heimunterricht läuft doch nicht so gut, wie man das annehmen könnte", sagt Keynejad. Das heißt, der Unterricht fehle und es fehlten auch Prüfungsleistungen. Die Schulbehörde verweise darauf, dass man stattdessen auf vergangene Leistungen der Schülerinnen und Schüler zurückgreifen können. "Aber es ist in den vergangenen Jahren doch so gewesen, dass die Sechstklässler im letzten halben Jahr nochmal eine ganze Menge rausgerissen haben", sagt Keynejad. "Und diese Möglichkeit fehlt ihnen jetzt."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 03.05.2020 | 19:30 Uhr

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