Stand: 11.05.2020 06:50 Uhr

Corona: Hamburgs Restaurants bereiten Öffnung vor

von Bert Beyers

Die Unsicherheit bei Hamburgs Gastronomen ist groß. Dabei geht es vor allem um die Frage, wann sie ihre Lokale wieder öffnen dürfen - und wenn ja, wie? Im Gespräch ist Montag, der 18. Mai. Am Dienstag will der Senat sich dazu äußern. Möglicherweise stehen in den Restaurants wegen der Corona-Abstandsregeln deutlich weniger Plätze zur Verfügung. Wie bereitet sich das Traditionslokal Zollenspieker Fährhauses in Hamburg-Kirchwerder vor?

VIDEO: Zollenspieker Fährhaus wartet auf Startschuss (2 Min)

Hamburger Lokale wollen Chancengleichheit

Vom Biergarten aus schaut Oliver Kahle auf die gegenüberliegende Elbseite. Dort in Niedersachsen dürfen Restaurants ab dem 11. Mai wieder öffnen. "Ich gönne meinen Kollegen in Niedersachsen das Beste", sagt der Geschäftsführer des Traditionslokals Zollenspieker Fährhauses. "Aber ich würde dafür plädieren, dass es Chancengleichheit gibt." Der 63-Jährige geht davon aus, dass er eine Woche später nachziehen kann. Aber unter welchen Bedingungen, das weiß er noch nicht.

Corona-Abstandsregeln in der Gastronomie

Der Geschäftsführer vermutet, dass Kellnerinnen und Kellner Masken tragen müssen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat eine lange Liste mit Vorschlägen unterbreitet. Eine Empfehlung geht dahin, auf Salz- und Pfefferstreuer auf den Tischen zu verzichten. Speisekarten aus Papier sollen durch digitale Karten ersetzt werden.

Kahle rechnet damit, dass seine Servicekräfte mit Beistelltischen arbeiten werden. Dort könnten Kellnerinnen und Kellner die Speisen und Getränke abstellen. Der Gast könne sich dann zum Beispiel selbst den Teller nehmen. Auf diese Art und Weise könnte ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. "Das gefällt uns natürlich überhaupt nicht, weil es völlig dem widerspricht, was Gastfreundschaft bedeutet", sagt Kahle Aber man würde der Pandemie-Situation Rechnung tragen. Wichtig sei, dass es überhaupt wieder losgehe.

Zollenspieker Fährhaus will wieder servieren

Der Geschäftsführer des Zollenspieker Fährhauses, Oliver Kahle.  Foto: Bert Beyers
Beklagt erhebliche Umsatzeinbußen: Geschäftsführer Oliver Kahle vom Zollenspieker Fährhaus.

Büffets sind mittlerweile out. Offene Speisen, an denen die Gäste sich bedienen können, und Bestecke, die jeder in die Hand nehmen kann, sind in Corona-Zeiten kaum noch vorstellbar. Deswegen soll im Zollenspieker Fährhaus das gesamte Küchen-Konzept umgestellt werden: Es wird wieder serviert. Der Super-GAU wäre für Kahle, wenn das Frühstück den Hotelgästen aufs Zimmer gebracht werden müsste. Bei größeren Häusern sei das überhaupt nicht darstellbar.

Gastronomie mit großen Umsatzeinbußen

Das Traditionslokal an der Elbe hat derzeit 75 Beschäftigte. Davon sind laut Kahle etwa ein Drittel in Kurzarbeit. Seit der Schließung Mitte März habe es Umsatzeinbußen in Höhe von 1,5 Millionen Euro gegeben. Und der Geschäftsführer rechnet mit weiteren zwei Millionen Mindereinnahmen. Ein Grund seien die ausfallenden Hochzeitsfeierlichkeiten, die einen großen Posten in der Bilanz des Unternehmens darstellen. Derzeit sei die Unsicherheit so groß, dass die Hochzeitspaare ihre Veranstaltungen häufig absagen würden.

Corona-Beschränkung: Termin für Öffnung noch unklar

Wenn der Hamburger Senat am Dienstag konkrete Regeln für die Gastronomie in der Hansestadt unterbreitet, geht es also um viel. Die Fragen sind klar: Wie will man die Abstandsregeln in den Lokalen garantieren? Wird es zu Reduzierung von Plätzen kommen? Und wie können kleinere Lokale damit leben? Wird es ein zusätzliches Angebot in der Außengastronomie geben? Und nicht zuletzt: Bleibt es wirklich beim 18. Mai? Ist das der Termin, zu dem in Hamburg Cafés, Restaurants und Kneipen wieder öffnen werden?

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Leere Stühle stehen vor einem Café in Hamburg. © dpa/picture alliance Foto: Daniel Reinhardt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.05.2020 | 06:50 Uhr

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