Stand: 02.04.2020 14:12 Uhr  - NDR 90,3

Prüfer-Storcks: "Wir müssen da jetzt alle miteinander durch"

Wer ist besonders gefährdet, an Covid-19 zu erkranken? Und wie können Antikörpertests helfen? Hamburgerinnen und Hamburger haben Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Donnerstagmittag diese und viele weitere Fragen gestellt. Hamburgs Gesundheitssenatorin war live bei NDR 90,3 am Telefon zugeschaltet. Moderatorin Jacqueline Heemann führte durch die Fragestunde.

In mehreren Blöcken beantwortete Prüfer-Storcks die Fragen von Menschen, die sich im Vorfeld bei NDR 90,3 gemeldet hatten - etwa über die NDR Hamburg App. Zum Beispiel die Frage einer Hörerin, in deren Treppenhaus gerade Handwerkerarbeiten durchgeführt werden. Da sei es nicht möglich, einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Sie wollte wissen, ob solche Arbeiten derzeit noch erlaubt seien. Handwerksbetriebe dürfen arbeiten, sagte die Gesundheitssenatorin. Natürlich solle man, wenn möglich, Abstand halten. Manchmal lasse die betriebliche Situation das aber nicht zu.

Sorge um schwangere Mitarbeiterinnen

Eine weitere Sorge galt schwangeren Mitarbeiterinnen im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Warum werden diese nicht freigestellt? Wenn man sich um die eigene Gesundheit und um die des ungeborenen Kindes Sorgen mache, solle man unbedingt mit seiner Ärztin oder seinem Arzt sprechen, so Prüfer-Strocks. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass die Erkrankung Covid-19 Schwangere und Ungeborene treffe, sondern eher ältere Menschen mit Vorerkrankungen. "Natürlich würde es auch noch mehr Not schaffen, wenn Schwangere nicht mehr arbeiten würden", fügte die Politikerin an.

Berufsverbot in Pflegeheimen: "Das tut in der Seele weh"

Der Mann einer Hörerin lebt seit vier Jahren im Pflegeheim, er sei schwer dement. Sie könne kaum mit der Situation leben, dass sie ihn nicht besuchen dürfte, schrieb die Frau NDR 90,3 per E-Mail. Sie fragte die Senatorin, ob es nicht auch Ausnahmen von dem Besuchsverbot in Seniorenheimen geben könnte. "Das ist eine sehr, sehr schwierige Situation", bestätigte Prüfer-Storcks. "Das tut einem auch in der Seele weh, wenn man so eine Verfügung erlassen muss. Aber zum Schutz ist sie wirklich notwendig." Daher gebe es nur Ausnahmen in dringenden Fällen, etwa bei Sterbehilfe oder wenn eine rechtliche Betreuung vorliege und das Betreten des Seniorenheims unbedingt nötig sei. Davon abgesehen seien viele Menschen in einer vergleichbaren Situation. "Es tut mir sehr leid, aber da müssen wir den Schutz vorne anstellen."

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Frage nach Antikörpertests

Ein weiteres Thema waren Antikörpertests. "Wann können wir damit rechnen, dass wir solche Tests bekommen?", wollte Moderatorin Jacqueline Heemann wissen. "Wir stellen jeden Tag fest, dass viele Menschen, die wir kennen, die Erkrankung schon durchgemacht haben und immun sind - über 800 Menschen in Hamburg", so die Senatorin. Es gebe zwar diese Antikörpertests, sie seien aber noch nicht so valide, dass man in jedem Einzelfall von hundertprozentiger Immunität sprechen könne. Die Tests würden derzeit für repräsentative Studien eingesetzt. Man wolle Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich Immunität entwickelt, so Prüfer-Storcks.

Etwa 3.500 Corona-Tests täglich

Auf die Frage, ob in Hamburg die Daten von Infizierten an die Polizei weitergegeben werden, antwortete die Gesundheitssenatorin "nein, definitiv nicht".

Auch die betroffenen Bevölkerungsgruppen waren Thema in der Fragestunde. Darüber gebe es Zahlen, so Prüfer-Strocks. Demnach seien die meisten infizierten Menschen zwischen 30 und 60 Jahre alt. Das könne sich mit der Zeit aber noch anders entwickeln. Viele Rückkehrende aus dem Skiurlaub waren etwa nicht unbedingt ältere Menschen. In Hamburg gebe es zwar viele positiv getestete Menschen, allerdings seien München und Köln der Hansestadt noch voraus. Natürlich seien Städte aber stärker betroffen als Flächenländer. "Wir wissen aber auch viel über das Geschehen, weil wir viel testen", so die Gesundheitssenatorin. Wenn sie auf die bundesweiten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) schaue, könne sie sagen, dass in Hamburg etwa dreimal so viel getestet werde. "Wir stellen dann auch mehr positiv Getestete fest." Hamburg teste etwa 3.500 Menschen täglich.

Abwägung bei verschobenen Operationen

Eine Hörerin, deren Augen-Operation verschoben wurde, machte sich Sorgen, zu erblinden. "Es ist nicht so, dass Krankenhäuser nur noch lebensnotwendige Operationen machen", so Prüfer-Storcks. Ärztinnen und Ärzte müssten solche Entscheidungen immer im Vier-Augen-Prinzip fällen und abwägen, ob sich der Zustand von Patientinnen und Patienten verschlechtern würde, sollte die Operation verschoben werden. Sie riet der Hörerin daher, unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt zu sprechen.

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Schutzkleidung: "Das ist wirklich das große Thema"

Einen Mann, Fachkraft für Anästhesiepflege in Hamburg, trieb auch die mangelnde Schutzkleidung um. "Wenn sich jetzt Schutzmaterialien für Pfleger und Ärzte weiter verknappen, können wir dann gezwungen werden, trotzdem Patienten zu behandeln?", wollte er wissen. "Das ist wirklich das große Thema", so Prüfer-Storcks. "Ich gehe auch wirklich nicht davon aus, dass wir jemanden zwingen müssen, ohne Schutzkleidung zu arbeiten." Die Stadt bekomme zwar nur Bruchteile von den Lieferungen, die sie eigentlich bestellt hatte. Aber dadurch, dass die Produktion in China langsam wieder anlaufe, sollte sich die Situation bald verbessern, sagte sie. Zudem habe die Bundesrepublik eine "Luftbrücke" geschaffen, damit diese Materialien direkt nach Deutschland kommen.

Weil Schutzkleidung aber momentan besonders für Krankenhäuser und Pflegeheime gebraucht wird, sieht die Senatorin derzeit keinen Grund für eine Schutzmasken-Pflicht beim Einkaufen. "Man darf nicht die Illusion haben, dass man mit einem Mund-Nasen-Schutz nicht infiziert werden kann", so Prüfer-Storcks. Dieser sei vor allem dafür da, dass Infizierte niemanden anstecken können. Es spreche aber nichts dagegen, sich so einen Schutz selbst zu nähen. Sie appellierte aber vor allem nochmal an alle Hamburgerinnen und Hamburger, mindestsens 1,50 Meter Abstand zu halten und regelmäßig die Hände zu waschen.

Testzentrum in Bergedorf als Pilotprojekt

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In Bergedorf habe die Kassenärztliche Vereinigung ein Corona-Testzentrum torpediert, beschwerte sich eine Hörerin. Dabei sei es gerade dort extrem wichtig. Es gebe viele Menschen in der Umgebung, die nicht getestet wurden. Ärztinnen und Ärzte seien am Limit, es gebe keine Schutzkleidung mehr. Dieses Testzentrum sei eine Initiative von Häusärztinnen- und ärzten sowie des Betesta-Krankenhauses gewesen, antwortete Prüfer-Storcks. Die Kassenärztlich Vereinigung sei nicht involviert gewesen. Sie müsse aber eine Erlaubnis ausstellen, damit das, was getestet werde, auch zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet werden könne, so die Senatorin. Das Zentrum solle aber als Pilotprojekt in Hamburg laufen.

Prüfer-Storcks: "Ein harter Einschnitt, den wir verordnen mussten"

Eine Hörerin, die als Trauerrednerin arbeitet, wies darauf hin, dass es für Menschen wichtig sei, Abschied von verstorbenen Angehörigen und Freunden nehmen zu können. Es gebe auch große Kapellen, wo man Trauernde weit auseinandersetzen könne. Das Verbot sei für viele Angehörige seelisch nicht zu bewältigen, so die Frau. "Das ist ein harter Einschnitt, den wir wirklich verordnen mussten", erklärte Prüfer-Storcks. "Ich sehe auch, dass es viele tragische Situationen gibt, aber wir müssen da jetzt alle miteinander durch." Die Hoffnung sei auch, dass sich die Verbreitung der Erkrankung verlangsame, sodass nach Ostern eventuell eine Lockerung der Regeln entschieden werden könne. "Aber wenn wir jetzt schon damit anfangen, dann machen wir uns den bisherigen Erfolg zunichte. Daher müssen wir alle zusammen noch ein wenig durchhalten."

Was tun, wenn man nach Covid-19 gesund ist?

Ein Mann ist vor drei Wochen aus Ischgl in Österreich zurückgekommen. Er sei positiv getestet worden, aber nun wieder gesund und aus der Quarantäne entlassen. "Wie verhalte ich mich jetzt in der Öffentlichkeit?", wollte der Hörer wissen. "Ganz entspannt eigentlich", sagte Prüfer-Storcks. Da er die Krankheit überstanden habe, könne man davon ausgehen, dass er immun sei und daher auch keine Gefahr für andere darstelle. Trotzdem solle er sich weiter an die Regeln halten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.04.2020 | 11:30 Uhr

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