Stand: 07.04.2020 12:11 Uhr  - Hamburg Journal

Corona: Genug Intensivbetten in Hamburg?

Aufgrund der Corona-Pandemie ist derzeit die Sorge groß, ob die Zahl der Intensivbetten reichen wird. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat am Montag eine bundesweite Meldepflicht für freie Intensivbetten in Deutschland gefordert - die Hamburger Gesundheitsbehörde nannte bislang nur zögerlich Zahlen. Nach Angaben der Krankenhäuser muss man sich in Hamburg derzeit aber noch nicht sorgen.

Neue Beatmungsgeräte im Agaplesion Diakonieklinikum

Das Agaplesion Diakonieklinikum hat seit Montag vier neue Beatmungsgeräte. Die mobilen Apparate hat sich das Krankenhaus selbst organisiert - auf Geräte vom Bund warte man nach wie vor, heißt es. Mit diesen vier neuen Beatmungsgeräten konnte die moderne, aber vergleichsweise kleine Klinik ihre bisherigen neun Intensivplätze fast verdoppeln. "Ab heute fahren wir mit 16 Betten und haben etwa die Hälfte der Betten durch Covid-19- und auch andere Patienten belegt", sagt Jörn Wessel, der Geschäftsführer des Diakonieklinikums. "Ich bin froh, dass die bisherige Gesundheitspolitik noch nicht ganz so durchschlagend war und die Krankenhäuser sich mit Erfolg etwas gewehrt haben gegen den Kapazitätsabbau", meint Wessel. Wenn dieser jetzt schon so weit wäre, hätte man seiner Einschätzung nach in Deutschland bereits jetzt 30 Prozent weniger Krankenhäuser: "Dann sähe es hier deutlich anders aus."

"DIVI-Register" zeigt freie Intensivbetten

Die Zahl der Infizierten in Hamburg ist am Montag auf 3.088 gestiegen - ein Plus von nur zwei Prozent zum Vortag. Derzeit werden 220 Corona-Patienten stationär behandelt. Die Zahl der Intensivpatienten machte am Montag einen Sprung auf 65 Patienten und Patientinnen. Die Gesundheitsbehörde veröffentlicht aber nur die mit Wohnort in Hamburg. "Mich interessieren alle Patienten, die bei uns liegen", sagt Stefan Kluge, Chefarzt der Intensivklinik am Universiätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). "Wir haben 27 Patienten hier im UKE und 35 Prozent davon kommen gar nicht aus Hamburg." Über das sogenannte DIVI-Register, ein Register, das die aktuelle Belegungssituation intensivmedizinischer Bereiche der Kliniken Deutschlands zeigt, wisse er aber relativ genau, dass auf den Hamburger Intensivstationen derzeit 100 Patientinnen und Patienten mit Covid-19 betreut würden. "Das ist immer noch übersichtlich", sagt Kluge. "Wir haben deutlich über 600 Betten und es sind sind auch noch weitere Betten geschaffen worden". Und zwar mindestens 100 innerhalb weniger Wochen, so die Gesundheitsbehörde am Montag. Demnach gebe es jetzt in Hamburg 750 Intensivbetten. Laut dem DIVI-Register stünden davon zurzeit etwa 250 kurzfristig zur Verfügung.

Asklepios-Arzt: 80 Prozent weniger Herzinfarkte in der Notaufnahme

Das seien genug, um derzeit noch jeden Notfall zu bewältigen, wie die Herz-Spezialisten bei Asklepios versichern. Es kämen momentan erheblich weniger Patientinnen und Patienten in die Notaufnahme, sagt Stephan Willems, Leiter der Kardiologie in der Asklepios Klinik St. Georg. "Wenn wir uns die letzten beiden Wochen anschauen, haben wir circa 80 Przent weniger Herzinfarkte iin den Notaufnahmen." Er befürchtet, dass viele Patientinnen und Patienten Angst davor haben, sich in eine Klinik zu bewegen und sie so die Symptome und auch die Probleme, die ein Herzinfarkt mit sich bringt, verschleppen. Es gebe keine Grund zur Sorge. Menschen mit Verdacht auf das Coronavirus werden in allen Krankenhäusern strikt von anderen Patienten und Patientinnen getrennt.

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Hamburg Journal | 06.04.2020 | 19:30 Uhr

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