Stand: 07.04.2020 15:32 Uhr  - NDR 90,3

Corona: Beschränkungen gelten auch über Ostern

Auch am Osterwochende gelten für alle Hamburgerinnen und Hamburger die bisherigen Kontaktbeschränkungen. Das betonte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag noch einmal bei der Landespressekonferenz. Tschentscher informierte gemeinsam mit Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks sowie Innensenator Andy Grote (beide SPD) über den aktuellen Stand zur Corona-Krise. Weitere Beschlüsse habe der Senat zwar nicht gefasst, so Tschentscher. Er bedankte sich im Voraus bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich auch über die Feiertage bis zum 20. April an die Regelungen halten.

Mehr als 3.200 Infizierte in Hamburg

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Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks: In Hamburg wird vergleichsweise häufig getestet.

Seit Montag seien 129 Menschen zusätzlich positiv auf Covid-19 getestet worden, sagte die Gesundheitssenatorin. Seit Beginn der Zählung seien 3.217 Hamburgerinnen und Hamburger infiziert worden. Das sei aber nicht gleichbedeutend mit akut Erkrankten, betonte sie. Mehr als 1.700 Menschen hätten die Erkrankung bereits überstanden. 244 Patientinnen und Patienten liegen den Angaben zufolge zurzeit im Krankenhaus, davon 70 auf der Intensivstation. Man sei gut beraten, sich bei den Fallzahlen an den Zahlen der Krankenhausfälle zu orientieren, sagte Prüfer-Storcks. Hier gebe es keine Dunkelziffer. Bei allen anderen Zahlen von positiv Getesteten, gebe es auch immer einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Testung in einer Region. "Das ist durchaus unterschiedlich", sagte Prüfer-Storcks. In Hamburg werde vergleichsweise häufig, etwa 3.500 Mal am Tag, getestet.

25 Menschen an Covid-19 gestorben

Zum ersten Mal habe die eigene Rechtsmedizin mehr Todesfälle als das Robert Koch-Institut (RKI) registriert. Demnach seien 25 Menschen an Covid-19 verstorben, so Prüfer-Storcks. "Wir stützen uns immer auf die Zahlen der Rechtsmedizin, weil hier genau festgestellt wird: Wer ist nicht mit, sondern an Corona gestorben." Die aktuellere Zahl dazu hätten die Hamburger Behörden.

Neue Studie: Wie entwickelt sich Immunität?

Prüfer-Storcks berichtete zudem über eine neue Studie, die die Stadt beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) in Auftrag gegeben hat. Sie soll Erkenntnisse darüber liefern, wie viele Menschen in Hamburg unerkannt Covid-19 durchgemacht haben, etwa weil sie keine Symptome hatten und sich nicht haben testen lassen, und nun immun gegen das Virus seien. Das UKE führe anhand von Blutproben von Blutspendern in den kommenden Wochen eine Untersuchung mit einem Antikörpertest durch. So soll festgestellt werden können, wie viel Prozent der Bevölkerung schon Immunität erlangt haben und ein Bild zeichnen, wie sich die Immunität in der Hamburger Bevölkerung entwickelt hat. Dabei würden zwei Antikörpertests angewendet, die momentan zu den validesten gehören, sagte Prüfer-Storcks. So solle auch festgestellt werden, welcher Antikörpertest der bessere sei. Sie betonte, dass solche Tests für derartige wissenschaftliche Untersuchungen gut geeignet seien. Für die Untersuchung von Einzelnen sei der Test hingegen bislang nicht valide genug.

Grote: Gute Erfahrungen mit Bußgeldkatalog

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Die Polizei bereite sich auf das Osterwochenende vor, sagte Innensenator Andy Grote.

Seit Freitag gilt in Hamburg ein Bußgeldkatalog bei Verstößen gegen die Corona-Regelungen. Am Wochenende und am Montag sei dieser in die Praxis umgesetzt worden, erklärte Innensenator Grote. Die Erfahrung zeige, dass der Bußgeldkatalog ein gutes Instrument sei, so Grote weiter. Es sei insgesamt weiterhin so, dass sich die überwiegende Anzahl der Hamburgerinnen und Hamburger an die Regeln hielten und verantwortungsvoll damit umgegangen sei. Trotzdem habe es einige Verstöße gegeben. Man liege derzeit bei 300 bis 500 Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten am Tag. Das sei ein höheres Niveau als vorher, als es überwiegend Strafverfahren gab. Dabei handele es sich vor allem um Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen und Abstandsgebote sowie um Gewerbetreibende, die trotz Verbots geöffnet hatten. Nach Angaben Grotes gibt es angesichts des schönen Wetters eine Tendenz, dass sich Menschen, die angesprochen werden, nun uneinsichtig zeigen. Die Akzeptanz der bestehenden Regeln sei nicht mehr so ausgeprägt. Man werde das im Auge behalten, so der Innensenator. Die Polizei bereite sich zurzeit auf die Osterfeiertage vor.

Weniger Kontrollen an der Grenze zu Schleswig-Holstein

Thema war zudem die Situation zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Tschentscher habe mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) telefoniert. "Wir sind uns einig, dass es nicht sinnvoll ist, im Nahbereich an der Landesgrenze Fußgänger und Radfahrer zu kontrollieren", so der Bürgermeister. Er habe die Zusicherung erhalten, dass derartige Kontrollen nicht weiter stattfinden sollen. Alle Maßnahmen, um die Infektionsketten zu unterbrechen und Infektionsrisiken zu vermeiden, müssten verhältnismäßig sein und angemessen erfolgen. Insofern sei er froh, dass jetzt Einigkeit mit Schleswig-Holstein herrsche, so Tschentscher. Hamburg habe auch nicht vor, etwa Autofahrer aus Schleswig-Holstein zu kontrollieren.

Tschentscher: "Keine Erwartungen wecken"

Eine Lockerung der Maßnahmen wollte Tschentscher noch nicht in Aussicht stellen. "Es gibt gute Hinweise darauf, dass wir in einer positiven Entwicklung sind, was die Verlangsamung der Ausbreitung des Virus angeht. Aber wir wollen keine Erwartungen wecken, die wir dann enttäuschen müssen", so der Bürgermeister. Derzeit könne keiner vorhersagen, wann der Zeitpunkt gekommen sei, schrittweise aus der bisherigen Situation auszusteigen. "Es gibt immer wieder die Frage, wie sich die Aufenthaltsdauern in Intensivstationen entwickeln. Wie entwickeln sich die Fallzahlen? All das ist noch in der Entwicklung", fügte Tschentscher hinzu. "Wir müssen uns jetzt wirklich die Zeit nehmen, um bis nach Ostern, gemeinsam mit den Experten, eine Bewertung der Lage vornehmen zu können." Es sei zu früh, jetzt ein Datum zu nennen. Ab dem 20. April könne man weiter planen.

Beratung über Ausstiegskonzepte am 15. April

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An unterschiedlichen Stellen würden derzeit Ausstiegskonzepte entstehen. Es gebe aber die klare Vereinbarung, darüber am 15. April in einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten der anderen Bundesländer zu beraten. "Dann wird man in den Tagen darauf sehen, ob wir ein solches Szenario entwickeln können", sagte Tschentscher. "Aber es wird keinen Punkt geben, an dem wir sagen 'jetzt ist alles wieder wie vorher'." Es sei sehr wahrscheinlich, dass man sich in mehreren Schritten aus der Situation herausbewegen müsse - aus Sicherheitsgründen, um eine unerwünschte Beschleunigung der Epidemie zu vermeiden, sagte der Bürgermeister. Die Infektionszahlen würden eher linear ansteigen, nicht exponenziell. Man habe sich die Zeit genommen, zu beurteilen, wie sich die Maßnahmen auswirken. "Wir dürfen jetzt nicht aus einem Bauchgefühl und aus Ungeduld heraus falsche Entscheidungen treffen, die dann das zunichte machen, was wir bisher mit großem Aufwand erreicht haben", so Tschentscher weiter.

Keine Maskenpflicht in Hamburg

Eine Maskenpflicht, wie sie etwa in Jena erlassen wurde, sei in Hamburg nicht geplant, sagte der Bürgermeister. "Wir haben derzeit einen Versorgungsengpass mit Schutzausrüstung, insbesondere Masken, die wir in den Gesundheitseinrichtungen unbedingt benötigen." Für den Alltag sei es ausreichend, Abstand zu halten. Die Stadt sei in Gesprächen mit Unternehmen, die ihre Produktion umstellen, um Schutzmasken herzustellen, ergänzte Prüfer-Storcks.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.04.2020 | 15:00 Uhr

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