Bundestagswahl: SPD in Hamburg stärkste Kraft

Stand: 27.09.2021 15:18 Uhr

Die SPD hat die Bundestagswahl knapp vor der Union gewonnen. In Hamburg fällt der Abstand größer aus. Laut vorläufigem Ergebnis wird die SPD in Hamburg stärkste Kraft. Die Wahlbeteiligung in Hamburg war höher als vor vier Jahren. Die Hamburger Direktmandate gehen an SPD und Grüne.

In Hamburg ist die SPD bei der Bundestagswahl die stärkste Kraft geworden. Die Partei von Ex-Bürgermeister und Kanzlerkandidat Olaf Scholz erhielt nach Auszählung aller Stimmen 29,7 Prozent. Laut Landeswahlleiter Oliver Rudolf wurden die Grünen mit 24,9 Prozent zweitstärkste Kraft in der Hansestadt. Die CDU stürzte auf 15,5 Prozent ab und erzielte ihr historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl in Hamburg. Die FDP kam auf 11,4 und die Linke auf 6,7 Prozent. Die AfD landete in Hamburg bei 5,0 Prozent.

Grüne holen Direktmandate in Altona und Eimsbüttel

In vier der sechs Hamburger Wahlkreise lag die SPD bei den Erststimmen vorn, zwei weitere gingen an die Grünen. Die Grünen-Politikerin und frühere Bürgerschaftsabgeordnete Linda Heitmann holte das Direktmandat in Altona. In Eimsbüttel ging das Direktmandat an den langjährigen Justizsenator Till Steffen von den Grünen. Er hatte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Staatsminister im Auswärtigen Amt, Niels Annen, von der SPD geliefert.

SPD in vier Hamburger Wahlkreisen vorn

In Bergedorf-Harburg holte der SPD-Politiker Metin Hakverdi das Direktmandat, in Mitte ging es an Falko Droßmann (SPD), in Wandsbek an Aydan Özoğuz (SPD). In Hamburg-Nord gewann Dorothee Martin (SPD).

16 Abgeordnete aus Hamburg nach Berlin

Auch im neuen Bundestag ist Hamburg wieder mit 16 Abgeordneten vertreten: Neu dabei sind neben Steffen, Heitmann und dem bisherigen Leiter des Bezirksamts Mitte, Droßmann, auch die Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Beck und Emilia Fester von der Grünen Jugend sowie Franziska Hoppermann von der CDU.

Wahlbeteiligung in Hamburg bei 77,8 Prozent

Landeswahlleiter Rudolf erklärte am Abend: "Insgesamt ist die Wahl gut verlaufen, ohne größere Schwierigkeiten." Die Wahlbeteiligung läge laut vorläufigem Ergebnis in Hamburg bei 77,8 Prozent und sei somit etwas angestiegen. Vor vier Jahren lag sie bei 76 Prozent. "Das ist ein erfreulicher Zuwachs." Der Anteil der Briefwähler stieg Rudolf zufolge auf einen neuen Rekord von 51,3 Prozent. 2017 hatte er noch bei 37 Prozent gelegen.

Wenn man in der folgenden Karte auf Gemeinden geht, kann man sich durch Heranzoomen oder durch Eingabe des Stadtteilnamens oder einer Postleitzahl die Wahlergebnisse für einzelne Stadtteile detailliert anzeigen lassen:

Bundesweit liegt die SPD knapp vor der Union

Bundesweit ist die SPD laut vorläufigem amtlichen Endergebnis stärkste Kraft geworden. Demnach kommt sie mit Spitzenkandidat Olaf Scholz auf 25,7 Prozent. Die Union mit Armin Laschet landet bei 24,1. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Annalena Baerbock liegen bei 14,8 Prozent. Für die FDP sind es 11,5 Prozent, die AfD landet bei 10,3 Prozent. Die Linken kommen auf 4,9 Prozent.

Alle bundesweite Daten im ARD-Wahlmonitor:

Bürgerschafts-Präsidentin erfreut über hohe Wahlbeteiligung

Die Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Veit (SPD), sagte im Hamburg Journal: "Ich freue mich über diese sehr hohe Wahlbeteiligung. Das zeigt deutlich, dass es wirklich so ist: Jede Stimme zählt. Ich hatte in den letzten Wochen auch das Gefühl, dass ganz viele Menschen Lust hatten zur Wahl zu gehen."

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Bürgermeister Tschentscher feiert in Berlin

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) feierte den Wahlabend in Berlin. "Die Stimmung ist hier noch blendend", sagte er dem Hamburg Journal des NDR Fernsehens. "Klar ist schon, dass die SPD einen sehr großen Schritt hat nach vorn gemacht hat." Sehr viele Menschen hätten die SPD und Olaf Scholz unterstützt und wollten einen Politikwechsel.

Jubel und Ernüchterung bei Wahlpartys in Hamburg

Bei den Wahlpartys in Hamburg erlebten die NDR 90,3 Reporterinnen und Reporter um 18 Uhr nach Veröffentlichung der Prognose zum Ausgang der Bundestagswahl entsprechend unterschiedliche Emotionen. Jubel gab es bei der Hamburger SPD, die sich auf der Reeperbahn im Mojo Club traf. Bei der CDU im Ludwig Erhard Haus herrschte dagegen gedämpfte Stimmung.

Der Hamburger CDU-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat, Christoph Ploß, äußerte sich zurückhaltend. "Wir werden hier alle noch einen sehr, sehr spannenden Abend erleben", sagte er. Die Zahlen zeigten noch nicht, wohin es gehen werde, "deshalb bleibt uns erst einmal nur das Abwarten".

Hamburgs Grünen hoffen auf Regierungsbeteiligung

Hamburgs Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Beck sieht das Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl als gute Voraussetzung für eine Regierungsbeteiligung. "Wir haben alles, alles gegeben und wir haben jetzt unser historisch bestes Ergebnis", sagte Beck am Sonntagabend bei der Wahlparty der Grünen im Schanzenpark.

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Kruse: FDP mit mehreren Koalitionsoptionen

Der FDP-Landesvorsitzende und Spitzenkandidat, Michael Kruse, sagte: "Wir als Freie Demokraten freuen uns. Wir haben lange dafür gearbeitet, zweistellig zu werden." Es sehe danach aus, dass die Hamburger FDP zwei Abgeordnete in den Bundestag schicken könne.

Linke: Nastic enttäuscht

Enttäuscht zeigte sich die Spitzenkandidatin der Linken, Zaklin Nastic: "Das ist ein bitteres Ergebnis", sagte sie zu den rund fünf Prozent, die ihrer Partei in den ersten Hochrechnungen zugeschrieben wurden.

AfD-Spitzenkandidat beklagt Bedrohungen in Hamburg

Der Spitzenkandidat der Hamburger AfD für die Bundestagswahl, Bernd Baumann, erklärte im Hamburg Journal zum Abschneiden seiner Partei: "Ich glaube, das Ergebnis geht in Ordnung." Gerade in Hamburg sei der Wahlkampf für seine Partei nicht möglich gewesen. Wegen Bedrohungen habe man keine Großveranstaltungen abhalten können. Wahlplakate seien zerstört, Wahlhelfende angegriffen worden.

Maskenpflicht und Mindestabstand im Wahllokal

Knapp 1,3 Millionen Hamburgerinnen und Hamburger waren insgesamt zur Stimmabgabe aufgerufen. An 1.268 über die Stadt verteilten Stellen war bis 18 Uhr die Urnenwahl möglich, vielerorts auch barrierefrei. In den Wahllokalen galten Maskenpflicht und 1,50 Meter Mindestabstand. Aus Gründen des Infektionsschutzes hatte die Landeswahlleitung die Wählerinnen und Wähler aufgefordert, neben einem Personalausweis und einer Maske nach Möglichkeit auch einen Kugelschreiber mitzubringen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.09.2021 | 06:00 Uhr

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