Stand: 20.04.2019 16:34 Uhr

Bullenhuser Damm: Gedenken an getötete Kinder

In der ehemaligen Schule am Bullenhuser Damm in Hamburg-Rothenburgsort ist am Sonnabend der 20 jüdischen Kinder gedacht worden, die dort kurz vor Kriegsende 1945 von der SS ermordet wurden. Ein Arzt der SS hatte die Kinder im Konzentrationslager Neuengamme zu medizinischen Experimenten missbraucht. Kurz vor der Einnahme Hamburgs durch die Briten wollten die Nazis die Spuren ihrer Verbrechen verwischen.

Die Kinder vom Bullenhuser Damm

Auch Mediziner und Häftlinge umgebracht

In der Nacht zum 21. April 1945 brachten sie die Jungen und Mädchen aus Polen, Italien, Frankreich, den Niederlanden und der Slowakei in das Schulgebäude und ermordeten sie im Keller. Neben den fünf bis zwölf Jahre alten Kindern töteten die SS-Männer zwei inhaftierte französische Mediziner, zwei niederländische Krankenpfleger und 24 sowjetische Häftlinge.

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Eine historische Aufnahme des Schulgebäudes am Bullenhuser Damm. In der Schule findet seit 1987 kein Unterricht mehr statt.

Das Gebäude diente damals in dem zerbombten Stadtteil Rothenburgsort als Außenstelle des KZ Neuengamme. Nach dem Krieg wurden sechs der Täter von einem britischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der SS-Arzt wurde 1966 in der DDR zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein weiterer SS-Mann musste nie für das Verbrechen büßen, saß allerdings wegen anderer Morde im KZ Buchenwald viele Jahre im Gefängnis.

Sozialsenatorin dankt der Vereinigung "Kinder vom Bullenhuser Damm"

Die Gedenkstätte in der seit 1987 geschlossenen Schule geht maßgeblich auf die Vereinigung "Kinder vom Bullenhuser Damm" zurück. Inzwischen gehört der Gedenkort mit Ausstellung zur städtischen KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Auf der Feier am Nachmittag hielt Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) eine Rede. Sie dankte der Vereinigung für ihre Verdienste um die Erinnerungskultur.

In ihrem 40-jährigen Bestehen hätten ihre Mitglieder dazu beigetragen, "dass die Gedenkstätte Bullenhuser Damm ein ganz elementarer Bestandteil der Hamburger Erinnerungskultur an die Gräueltaten der Nazizeit ist", sagte Leonhard. "Von großer Bedeutung ist die langjährige Einbeziehung der Angehörigen der Opfer, die auch internationale Beachtung findet und die Bemühungen Hamburgs in die Welt trägt, dass diese Taten niemals in Vergessenheit geraten werden." Zu der Gedenkfeier waren auch zahlreiche Angehörige aus dem Ausland angereist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.04.2019 | 08:30 Uhr

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