Stand: 20.03.2019 12:46 Uhr

Brandanschlag in Eißendorf: Prozess gestartet

Ein halbes Jahr nach dem tödlichen Brandanschlag auf Behördenmitarbeiter in Hamburg-Eißendorf hat am Mittwoch der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Die Staatsanwältin warf dem 29-Jährigen Mord, versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und schwere Brandstiftung vor. Er soll am 24. September vergangenen Jahres zwei Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes und seinen Betreuer angegriffen haben, als diese ihn aus seiner Wohnung in eine psychiatrische Einrichtung bringen wollten.

Ein ankgeklager vor Gericht

Brandanschlag: Psychisch Kranker vor Gericht

Hamburg Journal -

Als ihn Behörden-Mitarbeiter in eine psychiatrische Einrichtung bringen wollten, soll er sie mit Brennspiritus angegriffen haben. Ein 29-Jähriger muss sich deshalb nun vor Gericht verantworten.

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Spiritus verschüttet und angezündet

Der Angeklagte hatte sich den Angaben zufolge in einem Zimmer eingeschlossen. Als einer der Behördenmitarbeiter die Zimmertür eintrat, soll der 29-Jährige brennenden Spiritus auf den 50-Jährigen und dessen Kollegen geschüttet haben. Die Kleidung beider Mitarbeiter geriet in Brand. Durch die Druckwelle der Verpuffung wurde der Betreuer ins Wohnzimmer geschleudert.

50-Jähriger kam ums Leben

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September 2018: Kriminalbeamte untersuchen den Tatort in Eißendorf.

Der 50-Jährige konnte noch ins Freie flüchten, starb aber vor dem Haus. Sein damals 59 Jahre alter Kollege überlebte die Tat mit schwersten Verletzungen. Der mutmaßliche Täter sprang nach Angaben der Polizei aus dem Küchenfenster der brennenden Wohnung im dritten Obergeschoss und erlitt ebenfalls schwerste Verletzungen. Der damals 58-jährige Betreuer kam mit leichten Blessuren davon.

Wenige Tage vor der Attacke hatte eine Richterin den Angeklagten in seiner Wohnung aufgesucht und angehört, weil er auf Antrag des Betreuers in eine Klinik eingewiesen werden sollte. Dabei habe sie keine Anzeichen für eine Gefahr bemerkt, sagte ein Gerichtssprecher. Grundlage für den Antrag des Betreuers war eine befürchtete Eigengefährdung.

Ist der Angeklagte schuldfähig?

Der Vorsitzende der Strafkammer am Landgericht erklärte zu Prozessbeginn, nach Angaben eines Gutachters sei von einer erheblich verminderten Schuldfähigkeit des Angeklagten auszugehen. Der Sachverständige habe empfohlen, neben einer Freiheitsstrafe die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus anzuordnen. Dort ist der 29-Jährige bereits aufgrund eines vorläufigen Beschlusses untergebracht.

Die Verteidigerin stellte den Antrag, die Öffentlichkeit vom Prozess auszuschließen. Dem entsprach das Gericht nach kurzer Beratung. Zuschauer werden erst wieder zur Verkündung des Urteils zugelassen sein.

Der Angeklagte erschien mit grauem T-Shirt, kurz geschorenen Haaren und Drei-Tage-Bart vor Gericht, starrte während der Verhandlung geradeaus und reagierte auf Fragen des Richters nur mit einem zögerlichen Nicken. Ihm gegenüber saß die Witwe des getöteten Behördenmitarbeiters als Nebenklägerin. Sie wischte sich immer wieder Tränen aus den Augen. Der überlebende Behördenmitarbeiter - ebenfalls Nebenkläger - ließ sich nur von seinem Anwalt vertreten. Das Gericht hat neun weitere Verhandlungstermine bis zum 25. April angesetzt.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.03.2019 | 19:30 Uhr

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