Stand: 20.06.2019 17:59 Uhr

Brandanschlag in Eißendorf: Plädoyers gehalten

Nach dem tödlichen Brandanschlag auf Behördenmitarbeiter in Hamburg-Eißendorf ist am Donnerstag der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter mit den Plädoyers fortgesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft forderte 13 Jahre Haft für den psychisch kranken Angeklagten - und dessen Unterbringung in der Psychiatrie. Er habe einen Mord begangen, sei aber vermindert schuldfähig gewesen. Der Verteidiger hingegen geht von einer Schuldunfährigkeit aus und verlangte einen Freispruch. Auch er sprach sich aber dafür aus, seinen Mandanten in der Psychiatrie unterzubringen. Der Prozess findet seit März unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das Landgericht will am Dienstag das Urteil verkünden.

Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes angegriffen

Die Staatsanwältin warf dem 29-jährigen Angeklagten Mord, versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und schwere Brandstiftung vor. Er soll am 24. September vergangenen Jahres zwei Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes und seinen Betreuer angegriffen haben, als diese ihn aus seiner Wohnung im Stadtteil Eißemdorf in eine psychiatrische Einrichtung bringen wollten.

Spiritus verschüttet und angezündet

Der Angeklagte hatte sich den Angaben zufolge in einem Zimmer eingeschlossen. Als einer der Behördenmitarbeiter die Zimmertür eintrat, soll der 29-Jährige brennenden Spiritus auf den 50-Jährigen und dessen Kollegen geschüttet haben. Die Kleidung beider Mitarbeiter geriet in Brand. Durch die Druckwelle der Verpuffung wurde der Betreuer ins Wohnzimmer geschleudert.

50-Jähriger kam ums Leben

Der 50-Jährige konnte noch ins Freie flüchten, starb aber vor dem Haus. Sein damals 59 Jahre alter Kollege überlebte die Tat mit schwersten Verletzungen. Der mutmaßliche Täter sprang nach Angaben der Polizei aus dem Küchenfenster der brennenden Wohnung im dritten Obergeschoss und erlitt ebenfalls schwerste Verletzungen. Der damals 58-jährige Betreuer kam mit leichten Blessuren davon.

Wenige Tage vor der Attacke hatte eine Richterin den Angeklagten in seiner Wohnung aufgesucht und angehört, weil er auf Antrag des Betreuers in eine Klinik eingewiesen werden sollte. Dabei habe sie keine Anzeichen für eine Gefahr bemerkt, sagte ein Gerichtssprecher. Grundlage für den Antrag des Betreuers war eine befürchtete Eigengefährdung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.06.2019 | 19:00 Uhr

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