Stand: 25.06.2019 14:46 Uhr

Brandanschlag auf Behördenmitarbeiter: Elf Jahre Haft

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Das Gericht entscheid am Dienstag: Der 29-Jährige war bei seiner Tat vermindert schuldfähig.

Das Hamburger Landgericht hat nach einem Brandanschlag auf Behördenmitarbeiter in Hamburg-Eißendorf einen psychisch kranken Mann zu elf Jahren Haft verurteilt, die er in der Psychiatrie verbringen muss. Der 29-Jährige hatte im September einen Behördenmitarbeiter ermordet und einen zweiten lebensgefährlich verletzt. Er hatte die beiden mit brennendem Spiritus übergossen, als sie ihn gegen seinen Willen in die Psychiatrie bringen wollten.

Schuldfähigkeit vermindert

Die Schuld des 29-Jährigen sei wegen seiner Erkrankung zwar vermindert, ganz ausgeschlossen sei sie aber nicht, so das Gericht. Der Angeklagte sei in der Lage gewesen, seine "furchtbare Tat über Wochen zu planen und vorzubereiten". Der psychisch kranke Mann habe mit allen Mitteln seine Einweisung in die Psychiatrie verhindern wollen.

Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft für den Angeklagten gefordert - und dessen Unterbringung in der Psychiatrie. Die Verteidigung hingegen war von einer Schuldunfähigkeit des Angeklagten ausgegangen und hatte einen Freispruch gefordert. Auch er sprach sich aber dafür aus, seinen Mandanten in der Psychiatrie unterzubringen.

Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes angegriffen

Der Mann hatte zwei Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes und seinen Betreuer angegriffen, als diese ihn aus seiner Wohnung im Stadtteil Eißemdorf in eine psychiatrische Einrichtung bringen wollten.

Spiritus verschüttet und angezündet

Der Angeklagte hatte sich am 24. September vergangenen Jahres in einem Zimmer eingeschlossen. Als einer der Behördenmitarbeiter die Zimmertür eintrat, hatte der 29-Jährige brennenden Spiritus auf den 50-Jährigen und dessen Kollegen geschüttet. Die Kleidung beider Mitarbeiter geriet in Brand. Durch die Druckwelle der Verpuffung wurde der Betreuer ins Wohnzimmer geschleudert.

50-Jähriger kam ums Leben

Der 50-Jährige konnte noch ins Freie flüchten, starb aber vor dem Haus. Sein damals 59 Jahre alter Kollege überlebte die Tat mit schwersten Verletzungen. Der mutmaßliche Täter sprang nach Angaben der Polizei aus dem Küchenfenster der brennenden Wohnung im dritten Obergeschoss und erlitt ebenfalls schwerste Verletzungen. Der damals 58-jährige Betreuer kam mit leichten Blessuren davon.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.06.2019 | 14:00 Uhr

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