Stand: 08.11.2018 14:36 Uhr

Boberger Niederung: Sehr hoher Dioxin-Wert

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Mitarbeiter einer Spezialfirma untersuchten den Boden in der Boberger Niederung.

Nach dem Fund von krebserregendem Dioxin im Naturschutzgebiet Boberger Niederung hat Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) am Donnerstag erste Ergebnisse der Bodenuntersuchungen mitgeteilt. Die Dioxin-Konzentration liegt demnach in dem betroffenen Gebiet bei 700 Mikrogramm pro Kilogramm. Schon ab einem Mikrogramm müssen Behörden Schutzmaßnahmen ergreifen. Da bislang nur das Ergebnis einer einzelnen Messung vorliege, sei noch nicht klar, ob es sich um eine punktuelle oder großflächige Belastung handele, so Kerstan. Ergebnisse weiterer Proben sollen im Januar vorliegen. Unabhängig von der Größe des Gebiets handele es sich schon angesichts des jetzt vorliegenden "sehr, sehr hohen Wertes" um ein "schweres Umweltvergehen".

Verdacht gegen Chemiekonzern Boehringer

Ein weiteres Ergebnis: Der Verdacht gegen den Chemiekonzern Boehringer erhärtet sich, wie Kerstan berichtete. "Man kann Dioxine ganz gut zuordnen. Die haben einen gewissen Fingerabdruck, insofern können wir schon sagen, in Hamburg können solche Rückstände nur auf dem Boehringer-Gelände angefallen sein." Höchstwahrscheinlich handele es sich um Rückstände aus der Pflanzenschutzmittelproduktion, die aus dem nahegelegenen Moorfleeter Werk von Boehringer stammen.

Gesundheitliche Gefährdung unklar

Inwieweit Besucher der Boberger Niederung gefährdet sind, sei derzeit unklar, sagte Kerstan: "Gesundheitliche Gefährdungen entstehen, wenn man aus dem Gebiet Pilze oder Beeren oder aus den Teichen Fische gegessen hat. Wenn sie denn belastet sind - das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht."

Die Wasserschutzpolizei habe Anzeige gegen unbekannt erstattet, sagte Kerstan. Die Staatsanwaltschaft ermittele wegen schwerer Umweltvergehen. Seine Behörde habe auch die Firma Boehringer Ingelheim schriftlich von dem Vorgang in Kenntnis gesetzt, meinte der Senator.

Info-Veranstaltung am 13. November

Ein vier Hektar großes Gebiet rund um den Fundort ist seit Mitte Oktober abgesperrt. Da Dioxin besonders gefährlich ist, wenn es mit der Nahrung in den Körper gelangt, wurden auch Fische aus zwei am Fundort gelegenen Teichen untersucht. Das Angeln ist bis auf weiteres untersagt. Am kommenden Dienstag sollen die Anwohner bei einer Veranstaltung in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg über die Lage informiert werden.

Der Fall erinnert an den Dioxin-Skandal um die Chemiefirma Boehringer in den 1980er-Jahren. Weil das Dioxin auf dem Werksgelände in Moorfleet nicht beseitigt werden konnte, musste die betroffene Fläche über viele Jahre aufwendig versiegelt werden. Das Gelände gilt auch heute noch als eine der bekanntesten Dioxin-Altlasten in Deutschland.

Karte: Sperrung im nördlichen Bereich der Boberger Niederung

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.11.2018 | 14:00 Uhr

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