Stand: 03.01.2020 07:23 Uhr

Lob und Kritik für Hamburger Wissenschaftspolitik

Was ist in der vergangenen Legislaturperiode in Hamburg gut gelaufen, was weniger gut? Vor der Bürgerschaftswahl am 23. Februar nehmen wir in einer lockeren Serie unterschiedliche Politikfelder unter die Lupe.

von Susanne Röhse, NDR 90,3

Katharina Fegebank. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hat die Themen Wissenschaft und Forschung auf die politische Agenda gesetzt.

Bei den Hamburger Sozialdemokraten hat die Wissenschaft lange nicht im Fokus gestanden. Das änderte sich erst 2015 mit dem neuen rot-grünen Senat - und nicht zuletzt mit der grünen Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne). Sie erst setzte die Themen Wissenschaft und Forschung auf die politische Agenda. Das bezeichnet sie heute, am Ende der Legislaturperiode, auch als ihren größten Erfolg: "Es ist uns gelungen, Wissenschaft, Forschung, unsere tollen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, unsere Hochschulen, unsere Universitäten zum Stadtgespräch zu machen."

Universitätspräsident mit Zusammenarbeit zufrieden

Bei den Hochschulleitungen und den Leitern der Forschungszentren in der Stadt kommt Fegebank gut an. Sie habe immer ein offenes Ohr, heißt es. Auch Universitätspräsident Dieter Lenzen zieht eine positive Bilanz der Zusammenarbeit mit der Wissenschaftsbehörde: "Die Exzellenzstrategie zeigt, dass man den Hochschulen sehr viel Vertrauen entgegengebracht hat, dass man die Autonomie der Hochschulen ernst genommen hat. Wir haben völlig freie Hand gehabt, das zu gestalten." Die dazu erforderliche ökonomische Unterstützung habe es gegeben.

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Weiterhin fehlt Geld an Universität und Hochschulen

Fegebank ist es gelungen, zusätzlich zum Etat 250 Millionen Euro für die Wissenschaft locker zu machen. Dennoch klagen die Hochschulen und auch die Universität über eine unzureichende finanzielle Grundausstattung. Die jährliche Steigerung des Budgets um magere 0,88 Prozent gleiche weder die Inflationsrate aus noch Tarifsteigerungen, kritisiert die Opposition.

Kritik kommt von der Opposition

Eine Frau fährt mit einem Fahrrad an dem Hauptgebäude der Universität Hamburg vorbei. © picture alliance/Bodo Marks/dpa
Experten bemängeln den Sanierungsstau von universitären Gebäuden und die niedrige Grundfinanzierung der Hochschulen.

Der Wissenschaftsexperte der CDU-Fraktion in der Bürgerschaft, Carsten Ovens, beklagt, dass dem Senat eine ganzheitliche Strategie fehle und er sich nicht darum kümmere, welche Fachkräfte die Wirtschaft benötigt. Als Beispiel nennt er das ahoi.digital-Programm des Senats. Das sei vor mittlerweile fast drei Jahren auf den Weg gebracht worden, sollte 1.500 zusätzliche Studienplätze schaffen. "Lediglich knapp 190 wurden auf dem Papier bislang geschaffen, von den 35 angekündigten Professuren sind gerade mal drei besetzt."

Transfer von Forschung zur Wirtschaft verbessern

Das unterstreicht auch das Gutachten, was der Wissenschaftsrat, das wichtigste unabhängige wissenschaftspolitische Gremium, im Auftrag der Wissenschaftsbehörde erstellt hat. Der Transfer von Forschung zur Wirtschaft müsse verbessert werden, dann würden sich "Goldgräbermöglichkeiten" eröffnen. Die Experten hatten die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik in den Hamburger Hochschulen, darunter die Universität Hamburg, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Technische Universität und die HafenCity Universität, unter die Lupe genommen. Den größten Schwachpunkt sahen die Experten im Sanierungsstau von universitären Gebäuden und in der niedrigen Grundfinanzierung der Hochschulen.

Leuchtturmprojekt Science City Bahrenfeld

Die Sanierung auf dem Hauptcampus der Universität ist inzwischen in vollem Gange, auch die Klimaforscher bekommen einen Neubau. Und die Universität kann in den kommenden Jahren auf dem Gelände des Forschungszentrums Desy neue Gebäude beziehen. Hier ist die Keimzelle für die Science City Bahrenfeld - das neue Leuchtturmprojekt für den Wissenschaftsstandort Hamburg. Die klügsten Köpfe aus der Stadt und aus aller Welt sollen im Hamburger Westen in direkter Nachbarschaft zum Desy ein Quartier zum Lehren, Lernen, Forschen, Wohnen und Arbeiten bekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 03.01.2020 | 08:20 Uhr

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